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Friday, January 27, 2017

New York - Jane Jacobs,Schutzheilige des Village

In Greenwich Village beginnt der Tag gelassener als anderswo in Manhattan: Im Mucho Gusto Café blättern die Stammgäste beim Chai Pumpkin Latte in aller Ruhe in der Times, ein junger Mann mit Kampfstiefeln, knielangem Faltenrock und wuchtigem Fuchspelzkragen schlendert mit einer teueren Aktentasche die Hudson Street herab und ein Gespann von Möpsen, französischen Bulldoggen und einem Königspudel zieht hechelnd einen Dogwalker hinter sich her. Aber der umablässige Strom zügiger Radfahrer in Richtung der Wolkenkratzer von Midtown verleiht dem gemächlichen Morgen dann doch seine New Yorker Zielstrebigkeit.



1961 beschrieb Jane Jacobs in ihrem revolutionären Buch "The Death and Life of American Cities" an eben diesem Ort das alltägliche "Bürgersteig-Ballett" ihrer Nachbarschaft: der Besitzer des Lebensmittelladens nebenan stapelt die leeren Kisten des Vortags aufeinander, der Barbier bringt seinen Klappstuhl nach draußen, Mr. Goldstein arrangiert die Drahtspulen im Schaufenster seiner Eisenwarenhandlung, während elegant gekleidete Damen und distinguierte Geschäftsmänner aus den Brownstones der Seitenstraßen auf die Bühne der Avenue treten. Die legendäre, über mehrere Seiten reichende Passage destilliert eine grundlegende Ordnung aus dem Tumult individueller Aktivitäten: die Stadt selbst - ihre Architektur, ihr Straßenraster, die Formation ihrer Häuserblöcke, ihre Mischung von Kommerz und Wohnen – inszeniert die komplexe Choreographie. Jacobs verdankte ihre bahnbrechenden Einsichten in das Wesen der Metropole weniger akademischen Studien und Statistiken als der minutiösen Beobachtung des Alltags ihrer unmittelbaren Umgebung. Und nicht zuletzt der Überzeugung, dass den Einwohnern mehr Authorität über die Gestaltung und soziale Organisation ihrer Nachbarschaften zustehen sollte als den Architekten und Städtebauern. Von Ben Carson, den Trump gerade zum Minister für Wohnungswesen und Stadtplanung ernannte und der sich allein durch ein paar Kindheitsjahre in einer Sozialwohnungssiedlung für den Posten qualifiziert wähnt, hätte sie vielmehr auch die Unterstützung  unterprivilegierter Mitbürger durch integrativen Wohnungsbau verlangt. “Fair Housing” bedeutete für Jacobs die Koexistenz unterschiedlicher Einkommensgruppen auf engem Raum – der ehemalige Neurochirurg versteht darunter jedoch “obligatorische Sozialtechnik” wie im Kommunismus.


Lust an der Unfolgsamkeit
Jane Jacobs hat gerade ihren hundertstend Geburtstag gefeiert, und mit ihrer Zivilcourage, ihrer Lust an der Unfolgsamkeit und ihrer Vision der Großstadt als einem ebenso gewaltigen wie filigranen Organismus ist sie heute wichtiger denn je: wenn Banken und immergleiche Ladenketten überall eine desorientierende Monotonie verbreiten, wenn die hundertmillionen Dollar Apartments in neunzigstöckigen Glastürmen 350 Tage im Jahr unbewohnt sind, wenn sich Innenarchitekten auf Mikroapartments vom Ausmaß einer Gefängniszelle spezialisieren und Einkommensschwache wegen der nie dagewesenen Wohnungsnot zugunsten der Mittelklasse aus ihren verkommenen Mietskasernen vertrieben werden, sind ihre Schriften ein Aufruf zum Widerstand. Die 400-seitige Biographie "Eyes on the Street", eine Anthologie kurzer Text emit dem Titel "Vital Little Plans' und die im März uraufgeführte Oper "A Marvelous Order" zeichnen das Portrait einer furchtlosen Frau, die sich die Zerstörung ihrer geliebten Stadt nicht gefallen ließ. Selbst von dem mächtigen Robert Moses, der das New York des 19. Jahrhunderts im Dienste einer modernen, dem Auto geweihten Utopie niederreißen wollte, ließ sich die Tochter eines prominenten Arztes und einer emanzipierten Krankenschwester nicht einschüchtern.

Als Jane Butzner 1934 aus der Industriestadt Scranton nach Brooklyn zog, erschien ihr Manhattan als ein verwirrendes, beglückendes Chaos. Für Vogue schrieb sie Artikel über den Pelzhandel, über das Blumenviertel, den Diamantendistrikt, die Lederinsdustrie. Auf einer ihrer Erkundungsfahrten mit der U-Bahn landete sie an der Christopher Street - und fand ihre zukünftige Heimat inmitten der literarischen, künstlerischen und politischen Avantgarde des Village. Mit der heute längst vertriebenen Boheme dieser Ära, deren Mythos weiterhin die Immobilienpreise hebt, hatte sie wenig Kontakt. Vielmehr faszinierten sie jene unauffälligen Bürger, die das reibungslose Funktionieren ihres Viertels garantierten. In der Nachkriegszeit, als die Suburbs an Beliebtheit gewannen und amerikanische Metropolen unter Vernachlässigung zu leiden begannen, als ökonomische Monokulturen wie die Autoindustrie in Detroit ihrem Niedergang entgegen steuerten, als die Kriminalität stieg und die Staße vom geteilten zivilen Raum zur Gefahrenzone mutierte, verteidigte sie unermüdlich die Qualitäten der Megacity.

Der Bürgersteig als Seele der Stadt
Für Jacobs ist der Bürgersteig die Seele der Stadt: in dieser öffentlichen Sphäre summiert sich eine Vielzahl trivialer Interaktionen zwischen Nachbarn, Ladenbesitzern und Restaurateuren zu einem keineswegs trivialem Vertrauen, das “man nicht durch Instititutionen kultivieren kann” und das niemandem eine Verpflichtung zu privater Nähe abverlangt: jede Metropole ist eine Ansammlung von Mikrodörfern, deren Mischung von Freundlichkeit und Anonymität vor Provinzialität bewahrt. Als Jacobs 1956 ihre Kritik an der Vervorstädterung der City, an Hochhaussiedlungen, Grüngürteln, Satellitenstädten und gewaltsamen Verschönerungsaktionen auf der allerersten Stadtplanungskonferenz an Harvard vor Stararchitekten wie Richard Neutra und José Luis Sert vortrug, initiierte sie den sogenannten "Density Turn": die Einsicht in die Wichtigkeit urbaner Konzentration. Mit dem Klimawandel wurde ihr Beharren auf der Verquickung von Wohnen und Gewerbe und vor allem ihr Lob "überschäumender Dichte", die nicht nur eine Aura von Energie generiert, sondern auch tatsächlich Energie spart, zum Mantra. 















Jane Jacob vor ihrem Haus

Doch Mitte des 20. Jahrhunderts verstieß Jacobs mit ihren Thesen gegen die ordnungsliebende Moderne, die alte, organisch gewachsene Städte zu großen Teilen als ungesunde, unhygienische Slums betrachtete: die "Megalopolis, Tyrannopolis, Nekropolis" war nichts als "versteinertes Chaos", das neuen Siedlungen und gepflegten Grünflächen weichen sollte - "Gras, Gras, Gras", stöhnt Jacobs in der Einleitung zu "Death and Life" und beklagt die friedhöfliche Atmosphäre ehemals lebendiger Gegenden: "Wenn man das Erscheinungsbild der Dinge zum primären Zweck oder zum Hauptdrama macht, schafft man sich nichts als Ärger." 

Le Corbusier, dessen Ville Radieuse das Modell für den sozialen Wohnungsbau lieferte, ist einer jener idealistischen Denker, die sich bei Jacobs als "zwanghafte Manager der Freizeit anderer Leute" unbeliebt machten. Etliche Besuche des George Washington Housing Projects in East Harlem überzeugten sie davon, dass diese isolierten, vom Straßenraster abgeschnittenen  Wohnsilos inmitten struppiger Grünflächen als Brutstätten sozialer Pathologien fungierten. "Niemand fragte uns, was wir wollten, als man diese Siedlung baute. Man riß unsere Häuser ab und schob uns hierhin und unsere Freunde dahin ab. Nirgendwo kriegt man hier auch nur einen Kaffee oder eine Zeitung", zitiert Jacobs eine verbitterte Mieterin. Wie die meisten wider Willen verpflanzten Bewohner dieser unkommunikativen Neubauten suchte auch sie noch immer ihre alte Nachbarschaft auf: rund 1500 kleine Geschäfte und Betriebe - vom Candy Store über den Friseur bis zu den Fleischereien - wurden vom George Washington Project und ähnlichen Siedlungen allein in East Harlem vertrieben - und nie ersetzt. Selbst Kirchen fielen der neuen Ordnung zum Opfer. Als jedoch das ambitionierte, von Minoru Yamasaki (dem späteren Architekten des World Trade Centers) in St. Louis gebaute und bald zum Inbegriff von Vandalismus und Kriminalität verkommene Pruitt-Igoe Housing Project 1972 gesprengt wurde, fand Jacobs die symbolträchtige Aktion verschwenderisch: sie plädierte dafür, diese abgekapselten Armutsfestungen in das Gewebe der Stadt zu einzuflechten statt 12.000 Menschen aus ihrem vertikalen Ghetto zu vertreiben. Im vergangenen Dezember hielten dann schließlich Architekten und Stadtplaner am Cooper Union College in New York ein Symposium zur Restaurierung und Verbesserung der nun als wertvoll, ja unersetzlich erkannten Bausubstanz alter Sozialbauten in London, Paris und Toronto ab.


Strategin der Rettungskampagne
Den Bau des Lincoln Centers, der die Exilierung von 15,000 Bewohnern der berüchtigten “Hells Kitchen” verlange, konnte Jacobs nicht verhindern, und tatsächlich ist der Komplex um die Metropolitan Opera nicht unbedingt ein öder “Superblock”.  Doch als sich 1958 die Pläne zur Zerstörung des Washington Square Parks konkretisierten, übernahm sie eine führende Rolle als Strategin der Rettungskampagne. Schon in den 30er Jahren hatte Robert Moses darauf gesonnen, dieses Verkehrshindernis am Fuße der Fifth Avenue, von dessen Triumphbogen Marcel Duchamp und der Maler John Sloan 1917 die unabhängige Republik Greenwich ausgerufen hatten, zu eliminieren. Als die Aktivisten die heute undenkbare Zerstörung des Village-Juwels schließlich verhinderten, wetterte der erfolgsverwöhnte Moses, dass sich "Niemand, niemand, niemand, außer einem Haufen von Müttern!" gegen seinen grandiosen Plan gewehrt hätte. 

Moses verglich seine Ausmerzung der zu Slums degradierten Bezirke mit Georges-Eugène Haussmanns radikaler Erneuerung von Paris im 19. Jahrhundert. "Man kann kein Omelett braten, ohne Eier zu zerbrechen", lautete sein Leitspruch. Doch Jacobs empfand seine Schnellstraßen als mit der Machete geschlagene Wunden, die zur "Los Angelesierung" ihrer Stadt führten.  Als 1960 vierzehn Häuserblocks in ihrer eigenen Nachbarschaft den Bulldozern zum Opfer fallen sollten, verwandelten sie und ihr Mann - der progressive Krankenhausarchitekt Robert Jacobs - Wohnzimmer und Küche zur Einsatzzentrale: die Klingel wurde abgestellt, die Haustür blieb offen, die Mitstreiter kamen zu jeder Tages- und Nachtzeit, mischten sich ihre eigenen West Village Martinis - und siegten. Der erste, ausschlaggebende Schritt war die Aufhebung der Klassifizierung zum Elendsviertel gewesen.

Jacobs letzte Schlacht in Manhattan galt der Verhinderung des Lower Manhattan Expressways, einer achtspurigen Schneise durch Little Italy und das heute denkmalgeschützte SoHo. In den Künstlern, die Fabriketagen als Ateliers kolonisierten, fand sie treue Alliierte. Bei einer wilden Versammlung gegen den LOMEX wurde Jacobs 1968 verhaftet, wie schon zuvor bei einer Demonstration gegen den Vietnamkrieg. Ihre drei Kinder hatte sie im Geist des zivilen Ungehorsams erzogen, ihnen warme Unterwäsche für winterliche Friedenskundgebungen gekauft, sie zum Plakatieren angeheuert und zur nächtlichen Entfernung von Sicherheitszäunen angestiftet, ohne die Gebäude nicht abgerissen werden durften. Nun bestand die Gefahr, dass ihr bald achtzehnjähriger Sohn Ned eingezogen würde, und auf Jane wartete eine mögliche Gefängnisstrafe. So floh die Familie heimlich im Juni 1968 in einem klapprigen VW-Bus nach Toronto. Und kaum ließ sie sich an der Spadina Street nieder, protestierte Jane gegen den geplanten Spadina Expressway: er wurde nicht gebaut. 

Kein Auftritt mehr vom Corps de Ballett
Bob und Jane hatten ihr schmales Haus im Village Ende der Vierziger Jahre für 7000 Dollar gekauft - 2008 kam 555 Hudson Street für 3,5 Millionen auf den Markt. Im Parterre sitzt jetzt der Immobilienmakler Next Step Realty. Daneben ein leerstehendes Ladenlokal mit eleganter Pforte, dann Perry's News & Grocery, um zehn Uhr früh immer noch und bald sicherlich ganz geschlossen. Mit ihren schwarzen Plastikplanen tragen die Schaufenster von Nummer 557 längst Trauer: wie überall in New York können kleine Unternehmen die Wuchermieten nicht bezahlen, die Hausbesitzer genießen dagegen Steuervergünstigungen für den Einkommensverlust und warten entspannt auf eine Starbucksfiliale, oder die Schokoladenboutique, die ein Investor seiner Frau spendiert - das Corps de Ballet tritt hier schon lange nicht mehr auf. Der schmucke Park ein wenig nördlich ist eine Bereicherung im früher kaum begrünten Village, nur sind die Bänke von Obdachlosen besetzt – erst in den 70er Jahren wurden die Homeless zum Schatten der wachsenden Gier, heute sind es über 60,000.  Aber zumindest über den neuen Fahrradweg würde sich die 2006 verstorbene “Schutzheilige des Village” freuen und sogleich zum Trump Tower radeln – um vier Uhr früh käme dann ein Tweet, und das wäre ein guter Anfang.
Claudia Steinberg

Museum Barberini feierlich eröffnet "Atemberaubend in seiner Art der Bilder"

Potsdams Mitte ist um eine kulturelle Attraktion reicher: Bei der Eröffnung des Museums Barberini lobte Kanzlerin Merkel das Kunsthaus als "atemberaubend". Zum Start werden im barocken Palais 170 bedeutende Werke des Impressionismus und der Klassischen Moderne präsentiert.









Kanzlerin Merkel bewunderte die Werke im neuen Museum Barberini des Mäzens Hasso Plattner.

Zu den rund 500 geladenen Gästen zur Eröffnung zählte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Kanzlerin würdigte in ihrer Rede die Wiedererrichtung des Museums nach historischem Vorbild. "Jetzt ist das Palais Barberini wiederauferstanden als Museum Barberini, und damit knüpft das Haus an einstige Traditionen als Ort der Kultur im Herzen der Stadt an, und das und wie das möglich wurde, sagt viel über unser Land aus", sagte Merkel.
Mit dem brandenburgischen Ministerpräsidenten Dietmar Woidke und Museumsstifter und Mäzen Hasso Plattner bewunderte die Kanzlerin dann die herausragenden Kunstwerke bei einem Rundgang.

Die Bundeskanzlerin zeigte sich nicht nur von den Kunstwerken beeindruckt, sondern auch von dem bürgerschaftlichen Engagement von Hasso Plattner. "Kreative Menschen wie Sie, Herr Plattner, zeichnet aus, dass sie Chancen sehen und nutzen und sich nicht von Risiken abhalten lassen, denn Ihr Name ist ja seit vielen Jahren eng mit der Stadt Potsdam verbunden", so Merkel.
Kunst von Weltrang
Auf 2.000 Quadratmetern, verteilt auf drei Stockwerke mit insgesamt 17 Räumen, zeigt das Palais Barberini Kunst von Weltrang. Das Museum startet mit 170 Bildern in zwei Ausstellungen. Den Anfang macht die Ausstellung "Impressionismus. Die Kunst der Landschaft". Die zentrale Figur ist Claude Monet – allein 41 Bilder stammen von ihm. Seine farbenprächtigen Seerosen-Gemälde bilden einen glanzvollen Höhepunkt. Die zweite Schau zeigt "Klassiker der Moderne" mit bedeutenden Werken unter anderem von Liebermann, Kandinsky und Munch. Pro Jahr sind drei Ausstellungen geplant - mit Gemälden aus der privaten Sammlung Plattners und Leihgaben großer Museen aus ganz Europa.

Kunstliebhaber zeigt auch private Sammlung
Hasso Plattner, erfolgreicher Unternehmer und leidenschaftlicher Kunstsammler, hat sich mit dem Museum Barberini einen Wunsch erfüllt: Er ließ das Barockpalais innerhalb von nur drei Jahren mit originalgetreuer Fassade wiederherstellen. Plattner will mit dem Museum, das vollständig über seine Stiftung finanziert wird, an Kunst interessierte Menschen aus der ganzen Welt ansprechen. Ebenso ist es dem Kunstliebhaber ein Herzensanliegen, seine private Sammlung, zu der unter anderem 80 Werke von DDR-Künstlern und etwa 240 Impressionisten gehören, hier zu präsentieren.

Interessant ist jetzt schon, dass die britische Tageszeitung The Guardian bereits eine Top Ten der zehn weltweit wichtigsten Museumseröffnungen des Jahres veröffentlicht – und das Barberini steht auf Platz 1.

New York - Männer, wir kommen: Frauen-Ausstellungen sind mehr und mehr gefragt

1976, auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, weigerte sich Georgia O’Keeffe, an der Schlüsselausstellung “Women Artists: 1550 to 1950” in Los Angeles teilzunehmen: als die berühmteste Künstlerin Amerikas wollte sie sich nicht auf weibliche Gesellschaft beschränken. Neuerdings erfreuen sich ausschließlich mit Frauen besetzte Ausstellungen, die in den 80er und 90er nahezu ausstarben, jedoch wieder größter Beliebtheit: Mit Arbeiten von hundert prominenten Künstlerinnen – darunter Cecily Brown, Marlene Dumas und Kara Walker –, die Mera und Steve Rubell unter dem Motto “No Man’s Land” im National Museum of Women in the Arts (bis zum 8. Januar) versammelten, wollte das Paar die noch immer miserable Statistik von weiblicher Kunst in den Museen und nicht zuletzt den Wert der eigenen Sammlung aufbessern. 


Amerikas wohl bedeutendste Malerin des 20. Jahrhunderts, Georgia O'Keeffe

Im Sommer präsentierte das Center for Curatorial Studies am Bard College eine Gruppenshow mit dem von Valie Export inspirierten Titel “Invisible Adversaries”, die Werke von Feministinnen wie Lynda Benglis und Lorna Simpson zeigte Die größte Aufmerksamkeit erhielt jedoch die Eröffnungsausstellung der spektakulären Hauser, Wirth & Schimmel-Galerie im neuen Arts District von LA – “Revolution in the Making: Abstract Sculpture by Women, 1947-2016” hatte kein geringeres Ziel, als mit hundert raumgreifenden Objeken von 34 Künstlerinnen wie Lee Bontecue, Louise Bourgeois und Gego die männlich Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts mit ihrem Schwergewicht auf abstraktem Expressionismus, Minimalismus und Konzeptkunst umzuschreiben. Im Rausch feministischer Power stellte die gigantische Galerie dann im August ihren Innenhof  für ein Gruppenfoto von 733 Künstlerinnen zur Verfügung. Catherine Opie, die in den 90er Jahren mit ihren Portraits der Schwulen-und Transgenderszene berühmt wurde, war zunächst unschlüssig: “Revolution” zeigte ihres Erachtens nicht genügend zeitgenössische Künstlerinnen, und noch immer werden trotz feministischer Imagepflege vergleichsweise wenige Frauen von der Galerie vertreten. 

Die New Yorker Schriftstellerin Siri Hustvedt erinnerte kürzlich in einem Essay daran, dass der britische Kunstkritiker Brian Sewell 2008 im Independent zu behaupten wagte, daß es  “noch nie eine erstklassige Künstlerin” gegeben habe: “Nur Männer sind zu ästhetischer Größe fähig.” In noch jüngerer Vergangenheit verkündete Georg Baselitz: “Frauen malen nicht sehr gut. Das ist eine Tatsache.” Und fügte hinzu: “Der Markt hat, wie immer, Recht.” Aber er läßt sich auch manipulieren: das zum großen Teil unerschlossene, über Jahrzehnte produzierte Inventar von Kunst aus weiblicher Hand erleichtert das Zusammentragen von Museumsausstellungen. 

Darüber hinaus sind Entdeckungen zu machen, wie im Falle der 99-jährigen, bis vor kurzem unbekannten Carmen Herrera, der das Whitney gerade eine Soloshow widmete. Oder wie bei Susan Frecon, die bei der ersten Whitney Biennale des neuen Milleniums mit knapp sechzig das Licht der Öffentlichkeit erblickte und nun von Zwirner im großen Stil vertreten wird. Hustvedt spekuliert, ob ein “geschlechtsblindes” Verhältnis zur bildenden Kunst, vergleichtbar mit der nur nach dem Gehör getroffenen Auswahl von Musikern für das Metropolitan Opera Orchester, nicht vorzuziehen wäre – ob dann Eva Hesses radikal experimentelle Arbeiten nicht vielleicht als maskulin und Joseph Cornells zarte Assemblagen nicht als weiblich gesehen würden. Wie so viele ihrer Geschlechtsgenossinnen fürchtet sie, dass die Kategorie der Frauenkunst einem schwer zu entkommenden Ghetto gleicht, auf alle Zeiten die Ausnahme von der Regel – wer spricht schon je von Männerkunst? Noch immer ist sie der Standard: letztes Jahr stammten ganze sieben Prozent der Exponate in der hauseigenen MoMA-Sammlung von Frauen.


Marlyn Minter
New York - Mit der zunehmend ins Rampenlicht gerückten Transgender Welt haben feministische Künstlerinnen die Verstärkung einer lange kaum sichtbaren Minorität im Kampf um die Gleichberechtigung erhalten. Zugleich aber gehen Vertreter der Queer Art wie Zackary Drucker und Rhys Ernst einen großen Schritt weiter: das Paar fand sich, als Zackary die Transformation vom Mann zur Frau und Rhys den umgekehrten Prozeß began – die zärtliche Dokumentation ihrer parallelen Geschlechtsumkehrung wurde zu einem gefeierten Beitrag der Whitney Biennale von 2015, der die traditionelle Dualität von Mann und Frau obsolet macht. Mit seinen Fotos von Transmännern und -frauen entmystifiziert der Fotograf Amos Mac eine immer selbstbewußtere Gemeinde, die eine beispielhafte Fluidität sexueller Kategorien lebt. In der langen Tradition von Claude Cahun bis Anna Mendieta kreierte die junge Fotografin Rowan Renee, ein langjähriges Inzestopfer, intensive Bilder von Gewalt und Heilung am eigenen Leib, die in einem diskreten Selbstportrait ihres nackten Köpers mit einem von der Sonne rot beschienen Dildo kulminieren.



Mierle Laderman Ukeles: Retrosspektive im Queens Museum


Mit ihrer jeweiligen Affinität zu ramponiertem Glamour feierten in diesem Jahr sowohl Marilyn Minter im Brooklyn Museum (bis zum 2.4.17) als auch Nan Goldin im MoMA Lust und Leid polymorpher Begierden. Doch das letzte Wort behält wohl eine andere Veteranin feministischer Kunsttheorie und –praxis: diesen Herbst widmete das progressive Queens Museum Mierle Laderman Ukeles eine Retrospektive (bis zum 19.2.17) ihrer in den 60er Jahren ins Leben gerufenen “Maintenance Art”: als die Malerin zur Mutter wurde und sich damit plötzlich aus der Künstlergemeinde exkommuniziert und in die Sphäre eines mißachteten Servicejobs katapultiert fand, verfaßte sie in einer Nacht ihr “Manifesto for  Maintenance Art 1969!” Fortan erklärte sie das Reinigen, Instandhalten, Pflegen, Bewahren und Reparieren, das ein Drittel unsere Lebens in Anspruch nimmt, aber keinerlei Respekt erhält, zu ihrem Thema. Sie schüttelte die Hände von über 8500 Müllmännern und inszenierte Ballette mit ihren mächtigen Fahrzeugen. Sie wischte Straßen und animierte Hausmeister und Putzfrauen des Whitney Museums, ihre Arbeit zu dokumentieren und zur Kunst zu erklären. Mierle Laderman Ukeles’ Oeuvre erinnert an ein amerikanisches Sprichwort: “Frauenarbeit kennt kein Ende” –  und das gilt auch für die mühsame Aufgabe, ihrer Kunst die gebührende Anerkennung und Verbreitung zu verschaffen.
Claudia Steinberg

New York - Gute Stimmung auf den Kunstmärkten


Der typische Trumpwähler war angeblich ein arbeitsloser Bergmann aus West Virginia, den die Rage über seine desolate Situation in den Rassismus und in die Arme des Demagogen trieb. Statt dieses fotogenen Typen mit verbeultem Pick-up und Konfederiertenflagge auf dem T-Shirt gaben jedoch vornehmlich Bürger der Mittelklasse dem Mogul ihre Stimme – ihr mittleres Einkommen liegt weit über dem Durchschnitt, und über die Hälfle hat einen Collegeabschluß. Wahrscheinlich setzten auch die meisten Kunstsammler aus dem Milliardärsclub für die Nummer 324 auf der Forbes-Liste der Allerreichsten. Von Wilbur Ross, der Werke von Magritte sowie zeitgenössische chinesische Kunst im Wert von rund 150 Millionen besitzt, wissen wir es: der 79-jährige Konkursexperte mit einem Vermögen von 2,5 Milliarden wurde gerade vom neuen Präsidenten mit dem Posten des Wirtschaftsministers belohnt. Und gewiß wird sich Trump für die zwei-Millionen-Spende des Baumagnaten und LACMA-Vorstandsmitglieds Geoffrey Palmer erkenntlich zeigen, dem wir dank der italianaten Fassaden seiner Wohnzitadellen mit Namen wie The Medici eine Seelenverwandtschaft zu Trump unterstellen dürfen. 


Unmittelbar nach dem schicksalhaften 9. November diagnostizierte Sotheby’s CEO Tad Smith, dessen Hintergrund in der Entertainment Industrie eine Affinität zu Trump nahelegt, “eine ziemlich gute Stimmung unter den Sammlern” - die Auktionsergebnisse der folgenden Woche gaben ihm Recht: Während Künstler wie Olafur Eliason, Marilyn Minter und Pedro Reyes ihren Schock und Schmerz über den Triumph der Plutokraten in Widerstand umzumünzen versuchten, wurden Schätzungen übertroffen und Rekorde gebrochen: ein Monet ging ungeachtet der drohenden Apokalypse für 81.4 Millionen unter den Hammer, ein De Kooning brachte 66.3 Millionen. Die Kauflust der Sammler auf der Art Basel Miami war kurz darauf etwas gedämpft, was wohl weniger an der Politik als an der unweigerlichen Adjustierung des überhitzen Marktes lag. Doch nicht alle Galeristen wollten sich in der klimatisierten Messehalle vor der neuen Realität verschanzen: Gavin Brown zeigte eine  Installation von Rirkrit Tiravanija, der riesige Tafeln mit der New York Times vom Tag nach der Wahl bepflastert hatte und darauf in großen Lettern vor der “Tyrannei des gesunden Menschenverstandes” warnte. Die Galeristen Tim Blum und Jeff Poe aus Los Angeles machten Sam Durants Schrift-Stück von 2008 mit den höchst akuten Worten “End White Supremacy” zum Gesprächsthema der Messe, auch wenn sich die $ 75.000-Arbeit nicht gleich verkaufte. Eine zweite Version von Durants Leuchtbox, die auf demselben Protestschild von einer New Yorker Bürgerrechtsdemonstration im Jahr 1963 basiert, hängt seit Ende November über dem Eingang der Paula Cooper Gallery in Chelsea – auf unbestimmte Zeit. 

Der deutschstämmige Galerist Friedrich Petzel und sein Team waren von Trumps Sieg dermaßen erschüttert, dass er die für den Januar geplante Ausstellung verschob und stattdessen eine Notstandsveranstaltung anberaumte: bis zum 11. Februar sind Besucher der Chelsea Galerie eingeladen, ihre Gedanken zur akuten Lage in Worten und Bildern mitzuteilen. Parallel zeigen rund 25 Künstler, darunter Hans Haacke, Wolfgang Tillmans, Barbara Kruger und Jenny Holzer, aktuelle Werke, an den Wochenenden werden Symposien abgehalten, “Wir haben uns in unserer Blase allzu wohl gefühlt,” bereut der erfolgreiche Petzel, jetzt macht er sich Existenzsorgen: “Aber nicht darüber, ob ich morgen ein Bild verkaufe.” Vielmehr beängstig ihn das haßerfüllte Klima, das sich in seiner Wahlheimat breit macht. 


Den wollen auch jene Künstler überwinden, die sich seit zwei Monaten unter dem Instagram Hashtag “Liebe Ivanka” höflich darum bemühen, über die “First Daughter” Einfluß auf den Vater zu gewinnen: sie möge ihm doch mitteilen, dass Rassismus nicht okay sei. Rund hunderfünfzig Künstler haben sich der von dem Galeristen Bill Powers, der Kuratorin Alison Gingeras und dem Installationskünstler Jonathan Horowitz initiierten Kampagne angeschlossen und sind auch schon mit ihren behutsamen Schildern vor dem Haus von Ivanka und Ehemann Jared Kushner aufmarschiert. Unter Anleitung des Kunstberaters Alex Marshall hat das Paar dort eine Sammlung mit Arbeiten namhafter Künstler wie Christopher Wool, John Baldessari, Gari Winogrand und Alex Israel zusammengetragen. Und so wähnen sich die  “Artivisten” in der Gunst einer Geschäftsfrau, die einen Fernsehauftritt mit Daddy vor einem Millionenpublikum als Werbespot für ihren Schmuck nutzte und einen Kaffeeplausch mit ihr für eine fünfstellige Summe zu versteigern gedachte. Die zunehmend gordische Verknotung von Kunst, Kapital und Politik läßt sich am Fall der gefeierten Ausstellung des provokativen afroamerikanischen Künstlers David Hammons bei Robert Mnuchins illustrieren, einem ehemaligen Goldman Sachs Finanzier, der in seiner eleganten Upper East Side Galerie auch Calder, Giacometti und Bacon zeigt. Sein Sohn Steven Mnuchin hat für Soros, Clinton und Goldman Sachs sowie als Hollywood Produzent gearbeitet. Als Banker war er für Tausende von Zwangsvollstreckungen verantwortlich, die zur Großen Rezession beitrugen. Nun hat ihn Trump als Finanzminister in sein Kabinett geholt.

Als Leiter des National Endowment for the Arts, der mit einem Jahresetat von knapp 150 Millionen notorisch armen Kulturbehörde, hatte Der Donald seinen Fan Sylvester Stallone vorgesehen – er lehnte geschmeichelt ab. Das Interieur der dreietagigen Präsidentenresidenz in New York gibt ebenfalls Aufschluß über Trumps Geschmack: wie in der Politik ist ihm auch in der Kunst an der Wahrheit weniger gelegen als am Showbiz, und so hängen im Mini-Versailles hoch über der Fifth Avenue falsche Impressionisten im prächtigen Rahmen, abgesehen von einem echten Renoir, auf dessen Signatur der Besitzer stets stolz verweist. “Trump schätzt große Kunst”, zitierte die New York Post einen anonymen Freund, “aber die New Yorker Kunstszene findet er elitär und verlogen. Als Investment bevorzugt er Immobilien.” Maurizio Cattelans derzeit im Guggenheim installiertes Klo aus 18-karätigem Gold ist vermutlich eines der wenigen zeitgenössischen Kunstwerke, das dem Imitator des Sonnenkönigs Respekt gefallen könnte. 

Sarah Reisman, Artistic Director der Rubin Foundation in New York, erinnert daran, dass “nur ein kleiner Prozentsatz von Künstlern auf dem Kunstmarkt überlebt” – die Mehrzahl finanziert ihre Existenz mit Lehraufträgen und verwandten Berufen, womit sie sich auch Unabhängigkeit erkaufen. Trump wird die jenseits der Trophäenkunst eines Jeff Koons existierende Avantgarde nur dann wahrnehmen, meint Reisman, wenn sie zum weithin sichtbaren Protest eskaliert – mit jener politisierten Ästhetik, die ihre Stiftung mit dem Mandat sozialer Gerechtigkeit unterstützt. Denn bekanntlich ist der mächtige Mann empfindlich: als Brandon Victor Dixon, einer der Darsteller des innovativen Rap-Musicals Hamilton den designierten Vizepräsidenten Mike Pence nach der Vorstellung von der Rampe an die freiheitlichen Ideale der Gründungsväter erinnerte, reagierte Trump mit einem Gewitter von Twitterblitzen und verlangte eine Entschuldigung. Schon vor fast zwanzig Jahren gab der aufbrausende Banause einen Vorgeschmack auf seine zu erwartende Kulturpolitik, als er ein im Brooklyn Museum ausgestelltes, mit Elefantendung verziertes Madonnenportrait von Chris Ofili als “entartet” verdammte.  Damals versprach er, im Falle seiner Präsidentschaft sämtliche Regierungssubventionen für die Kunst zu streichen. Mit gewissen Ausnahmen: ab Mitte Januar wird ein Foto von Trump aus dem Jahr 1989 in der Nationalgalerie neben den Bildern seiner Vorgänger hängen. Es zeigt den noch jugendlichen, noch brünetten Tycoon kurz bevor ihm ein knallroter Apfel in die Hand fällt. Das Portait ist ein temporärer Stellvertreter für ein würdevolles Ölgemälde, und im Falle einer derart wichtigen Kommission sind dem 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten Steuergelder sicherlich recht.

Claudia Steinberg

Frankfurt - Weltweit erste Jil Sander-Ausstellung im MAK



Jil Sander zählt zu den international bekanntesten deutschen Designerinnen. Nun kommen ihre Kreationen ins Museum. Ab 4. November ehrt das Frankfurter MAK die 73-jährige Modeschöpferin mit einer eigenen Ausstellung.

Mit der Ausstellung "Jil Sander" will Museumsdirektor Mathias Wagner K, der die Schau in enger Zusammenarbeit mit der Modedesignerin kuratiert, den Erfindungsreichtum und die kreative Kraft der einflussreichen deutschen Modeschöpferin sichtbar machen. Auf 3000 Quadratmetern sollen "in raumgreifenden multimedialen Installationen und Tableaus die Auswirkungen ihrer Gestaltungshaltung auf Ästhetik, Material und Form von Mode- und Produktdesign, Architektur und Gartenkunst" präsentiert werden, schreibt das Museum auf seiner Homepage.


Es ist die weltweit erste Einzelausstellung der Schöpferin von eleganter Garderobe und Kosmetik. Viele Exponate seien niemals zuvor öffentlich ausgestellt worden, teilte Wagner K mit. Die Schau soll später auch in New York, Tokio und Seoul zu sehen sein.

Schwierige Überzeugungsarbeit  

Einfach sei es nicht gewesen, die 73-jährige Jil Sander ins Museum Angewandte Kunst (MAK) zu locken, sagte Museumsdirektor Wagner K. Das sei aber nicht ungewöhnlich, denn eine Designerin habe den Blick stets in die Zukunft gerichtet. Dass es trotzdem gelungen sei, mache ihn sehr stolz.

Wagner K hat das Museum seit seinem Amtsantritt im Jahr 2012 neu ausgerichtet. Ihm geht es darum, gegenwärtige gesellschaftliche Strömungen aufzugreifen und diese in der Mode, im Design und der Performance-Kunst sichtbar werden zu lassen. Mit seinem neuen Konzept konnte er die Besucherzahlen kontinuierlich steigern.


Jil Sander ist eine der wenigen deutschen international bekannten Modedesignerinnen. Unter dem Leitmotiv "Pureness, Qualität, Innovation" entwarf sie erstmals in den 1970ern Kleidung mit klaren Schnitten und Stoffen von hoher Qualität. Bis heute steht das Label für klare, zeitlose und elegante Mode. Im Jahr 2013 verließt die Hamburgerin aus persönlichen Gründen ihr Modeunternehmen.

Filmfestspiele Berlin - Das Berlinale-Programm steht


Der Wettbewerb der 67. Berlinale ist komplett. 18 Filme aus aller Welt werden um den Goldenen Bären konkurrieren, wie die Berliner Filmfestspiele (9. bis 19. Februar) am Freitag mitteilten. Im Wettbewerbsprogramm – allerdings außer Konkurrenz – ist auch der neue Film der französischen Stars Catherine Deneuve und Catherine Frot, „Ein Kuss von Béatrice“ von Martin Provost. Für Deutschland sind Volker Schlöndorff („Rückkehr nach Montauk“), Andreas Veiel („Beuys“) und Thomas Arslan („Helle Nächte“) im Bären-Rennen am Start, wie das Festival bereits bekanntgegeben hatte.

Stars wie Penélope Cruz, Robert Pattinson, Hugh Jackman, Richard Gere, Kristin Scott Thomas, Ewan McGregor, Robert Carlyle, Geoffrey Rush, Laura Linney und Hugh Bonneville werden auf dem roten Teppich erwartet. Die Berlinale zeigt auch wieder eine Auswahl neuer Serien. Darunter ist die deutsche Produktion „4 Blocks“ von Marvin Kren über arabische Clans in Berlin-Neukölln.
Ebenfalls in der Reihe Berlinale Special Series dabei: „Der gleiche Himmel“ von Oliver Hirschbiegel. In dem deutsch-deutschen Spionage-Drama spielen Tom Schilling, Ben Becker und Jörg Schüttauf mit. Gezeigt werden auch die ersten Folgen der britischen Serie „SS-GB“ (Regie Philipp Kadelbach) mit Sam Riley, Kate Bosworth und Lars Eidinger.
Eröffnung mit Django Reinhardt
Als letzter Film schaffte es der chinesische Animationsfilm „Einen schönen Tag noch“ („Hao ji le“) von Liu Jian in den offiziellen Bären-Wettbewerb. Filme unter anderem aus Frankreich, Finnland, Großbritannien, Japan, Rumänien, Portugal, Chile, Brasilien, Südkorea und Polen bewerben sich um die Berlinale-Trophäe.

„Twilight“-Star Robert Pattinson kommt nach Berlin, um in der Special-Reihe das Abenteuerdrama „Die versunkene Stadt Z“ („The Lost City of Z“/Regie James Gray) vorzustellen. Hugh Jackman ist Star der Comicverfilmung „Logan – The Wolverine“ (außer Konkurrenz). Außer Konkurrenz zeigt der Brite Danny Boyle „T2 Trainspotting“ mit Ewan McGregor und Robert Carlyle – die Fortsetzung des Kultfilms „Trainspotting“ aus dem Jahr 1996 über eine Clique junger Drogenabhängiger.
Eröffnet wird die Berlinale am 9. Februar mit dem Debütfilm „Django“. Erzählt wird darin von dem französischen Jazzmusiker Django Reinhardt und seiner Flucht aus dem von Deutschland besetzten Paris 1943. Als Sinti wurde seine Familie von den Nazis verfolgt und schikaniert. Regisseur des Films ist Etienne Comar, der sich bereits als Drehbuchautor („Von und Göttern“) einen Namen gemacht hat.

Charlotte Moorman - die Cellistin, die sich von der Tyrannei des Komponisten befreite

Charlotte Moorman ist als "barbusige Cellistin" in die Kunstgeschichte eingegangen, als attraktive und couragierte Frau, die Männern wie John Cage und Nam Jun Paik zur Umsetzung ihrer revolutionären Ideen verhalf. Das legendäre, leuchtende Streichinstrument, das ihr Paik aus drei Fernsehmonitoren baute, ist sicherlich das eindrucksvollste und dank seiner antiken Technologie zugleich rührendste Objekt in der Ausstellung "A Feast of Astonishments - Charlotte Moorman und die Avantgarde 1960s-1980s" im Museum der Moderne Salzburg (bis zum 23. März 2017). Doch weit überraschender sind ein paar Blätter der 85-seitigen John Cage Partitur von "21'1.499 for a String Player", die Moorman als eine ebenso gründliche wie erfinderische Musikerin offenbaren - ihre zahllosen Notierungen zeugen von einer totalen Aneignung der fremdartigen Klangwelt. 


Cages Aufforderung, sich von der Tyrannei des Komponisten zu befreien, nutzte sie weidlich aus und injizierte ein isländisches Wiegenlied, Zeitungsausschnitte, Gebrauchsanweisungen und Geräusche in die Tonkollage. Im Laufe ihrer dichten Karriere umarmte die an Julliard klassisch ausgebildete Cellistin unter anderem einen Balken aus Eis, eine Trainingsbombe des US-Militärs und nicht zuletzt Nam Jun Paik selbst, eine Saite vertikal über den Rücken gespannt, als ihr Instrument. Sie spielte verborgen in einem Sack, am Boden eines gläsernen Wassertanks und hoch über Linz, aufgehängt an einem Bündel von Otto Pienes Ballons. 

Die einstige Schönheitsprinzessin aus Arkansas trat in aller Welt auf - von Venezuela über Israel bis Australien. Doch besonders in Deutschland entwickelte Moorman entscheidende Kontakte zu Avantgarde Musikern und Fluxuskünstlern wie Vostell und Beuys: er machte ihr eine Filzhülle mit rotem Kreuz für ihr Cello, sie führte ihn in die New Yorker Kunstwelt ein und brachte Stockhausen nach Übersee. Denn Moorman war nicht nur eine Performancekünstlerin, sondern auch ein Impressario: zwischen 1963 und 83 organisierte sie fünfzehn Avantgardefestivals - im Central Park und auf der Staten Island Ferry inszenierten Künstler wie Allen Kaprow, Geoffrey Hendricks, Alison Knowles, Carolee Schneemann und Yoko Ono wilde, kluge Aktionen. Moormans letzte Worte, bevor sie 1991 im Alter von 58 Jahren starb, waren eine Warnung an ihren Mann: "Schmeiß' bloß nichts weg." Glücklicherweise hat er sich daran gehalten.  

Claudia Steinberg