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Tuesday, October 11, 2016

Luther-Ausstellungen in den USA

The Morgan Library & Museum in New York zeigt eine schatzkammerartige Ausstellung. Die Ereignisse im Leben Martin Luthers, die für die beginnende Reformation von Bedeutung waren, stehen im Mittelpunkt der Schau. Der Besucher folgt Luther vom Thesenanschlag über den Reichstag zu Worms und die Bibelübersetzung auf der Wartburg bis hin zu seinem Schaffen in Wittenberg. Zahlreiche Autographen und bedeutende Schriften führen das Wirken des Reformators anschaulich vor Augen.
Die umfangreichste Schau wird im Minneapolis Institute of Art zu sehen sein. Sie beleuchtet vor allem das kulturhistorische Umfeld der Reformation im 16. Jahrhundert. Mit Hilfe von archäologischen Funden aus dem Elternhaus Luthers in Mansfeld und dem Lutherhaus in Wittenberg werden die Lebensumstände des Reformators und seiner Familie greifbar.

An der Pitts Theology Library der Candler School of Theology an der Emory University Atlanta entsteht eine Kabinettausstellung. Sie stellt Lucas Cranachs reformatorisches Bildmotiv von „Gesetz und Gnade“ in den Mittelpunkt, erläutert die Ikonographie des Bildes und damit das Hauptanliegen von Luthers Reform: die Auffassung von der Erlösung des Menschen allein durch die Gnade Gottes.

Die Ausstellungen in New York, Minneapolis und Atlanta ergänzen sich inhaltlich und beleuchten Martin Luthers Leben und Wirken in all seinen unterschiedlichen Facetten und Wirkungen bis in die Gegenwart hinein.

Zugleich ist das Projekt “Here I Stand” für alle als digitale Ausstellung abrufbar und weltweit bestellbar. Sie zeigt die wichtigsten Stationen der Reformations-geschichte und ihre Wirkungen. Der Clou: Originalexponate können per 3-D-Drucker ausgedruckt werden.


Albrecht Dürer, Portrait of Bernhard von Reesen 1521, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, 
Gemäldegalerie Alte Meister (Inv. Nr. 1871)



Darüber hinaus zeigt das Los Angeles County Museum of Art (LACMA) ab dem 20. November 2016 die Ausstellung „Renaissance and Reformation: German Art in the Age of Dürer and Cranach”. Durch bedeutende Kunstwerke aus den Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin, der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München soll ein neuer Blick auf die Reformation und ihre Zeit geworfen werden. Gezeigt werden unter anderem Meisterwerke von Dürer, Cranach, Holbein, Riemenschneider und Grünewald, die einen Einblick in die religiösen, gesellschaftlichen und politischen Umbrüche der Zeit gewähren.




Atlanta Goethe Institut Ausstellung: “Here I Stand...” Luther Ausstellungseröffnung 2016

Dienstag, 11. Oktober 2016, 19:00 bis 21:00 Uhr
1197 Peachtree Street NE 
Colony Square, Plaza Level
Atlanta, GA 30361-2401
Eintritt: Kostenlos
+1 404 8922388
communication@german-institute.or

Martin Luther (1528) von Lucas Cranach the Elder

Das Goethe Institut Atlanta lädt herzlich zu seiner  Luther-Ausstellung “Here I Stand“ ein – einer Poster-Ausstellung, welche ein umfassendes Bild vom Leben und Wirken des Theologen sowie der Reformation vermittelt.

Im 16. Jahrhundert hat der Theologe Martin Luther durch seine protestantische Reformation das Christentum nachhaltig verändert. Im Jahr 2017 wird der 500. Jahrestag von Martin Luthers Thesenanschlag in Wittenberg als ein Ausgangspunkt der Reformationsbewegung und damit als ein Ereignis von welthistorischer Bedeutung deutschlandweit in großen Veranstaltungen und Ausstellungen gewürdigt.


Das Projekt wird vom Deutschen Konsulat und dem Goethe-Zentrum in Atlanta in Partnerschaft mit dem Landesmuseum für Vorgeschichte Halle, der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, dem Deutschen Historischen Museum Berlin und der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha - mit der freundlichen Unterstützung des Auswärtigen Amtes – präsentiert.

Friday, September 23, 2016


Stuttgarter Corbusier-Häuser zum Weltkulturerbe ernannt

Zwei Häuser des Stararchitekten Le Corbusier, die in Stuttgarts Weißenhofsiedlung stehen, werden Weltkulturerbe. Die Unesco-Sitzung in Istanbul wurde wegen des Putschversuchs zweimal unterbrochen.

Das Le-Corbusier-Haus der Stuttgarter Weißenhofsiedlung, nun Weltkulturerbe
Foto: dpa

Nach zwei vergeblichen Anläufen sind zwei Häuser der Stuttgarter Weißenhofsiedlung des Stararchitekten Le Corbusier zum Weltkulturerbe ernannt worden. Die Unesco nahm am Sonntag in Istanbul Bauten Le Corbusiers in sieben Ländern auf die Liste des Welterbes auf, wie die Kulturorganisation der Vereinten Nationen mitteilte. Ursprünglich sollte die Entscheidung bereits am Samstag fallen. Das Welterbekomitee hatte seine Sitzung aber wegen des Putschversuchs in der Türkei unterbrochen.


Der internationale Antrag für die Aufnahme der Le-Corbusier-Bauten war zuvor zwei Mal abgelehnt worden. An der überarbeiteten Form haben sich jetzt sieben Staaten von drei Kontinenten beteiligt. Neben Deutschland waren das Argentinien, Belgien, Frankreich, Indien, Japan und die Schweiz. Der Antrag betonte die herausragende Bedeutung Le Corbusiers für die Architektur des 20. Jahrhunderts. Das Werk sei Zeugnis der Globalisierung der Moderne, hieß es.

New York - Das Bronx Museum zeigt eine Bestandsaufnahme AIDS bezogener Kunst

Als Mitte der 80er Jahre das große Sterben junger Homosexueller in New York und San Francisco begann, fanden die von Aids betroffenen Künstler im feministischen und politischen Aktivismus der beiden vorangegangenen Dekaden Anleitung für die ästhetische Aufarbeitung der Krise. Der Körper mit seiner plötzlich so präsenten Vergänglichkeit, mit seinen mysteriösen Säften und scheiternden Systemen rückte in den Vordergrund, eine barocke Todesnähe breitete sich in der Kunst aus wie nach den Weltkriegen oder der Influenzaepidemie. ACT-UP protestierte mit den Mitteln der Performance Kunst gegen die Gleichgültigkeit der Politiker und die lahme Reaktion der Pharmaindustrie auf die Katastrophe.

Installation view of Art AIDS America
©Marisol Díaz, 2016
Seit mehr als zwanzig Jahren gibt es Medikamente gegen AIDS, die es vom Todesurteil zur chronischen Krankheit transformieren. Doch noch immer werden jährlich rund 40,000 neue Fälle in den USA diagnostiziert, und die Bronx ist weiterhin eine der am härtesten betroffenen Regionen. So ist die Ausstellung Art AIDS America, die in Los Angeles debutierte und nach ihrer zweiten Station in Tacoma gerade im Bronx Museum eröffnete (bis zum 25. September), dort nicht nur ein Kunstereignis: 

Museumsdirektorin Holly Block, eine der Mitorganisatorinnen, bezeichnet die Show als erste systematische Bestandsaufnahme von AIDS-bezogener Kunst über drei Jahrzehnte hinweg und will sie mit Diskussionen und einer vor dem Museum geparkten mobilen Klinik in die Nachbarschaft einbinden. Arbeiten von Félix Gonzáles-Torres, Keith Haring und Bronx-geborenen Künstlern wie Glenn Ligon und Willie Cole sind unter den 120 Exponaten. Auch Martin Wongs magische, romantische und herzzerreißende Bilder der Lower East Side der 80er Jahre mit ihren erotischen Feuerwehrmännern und leuchtenden Gestirnen über Ruinen, denen das Bronx Museum vor einigen Monaten eine Retrospektive widmete, sind vertreten. In einem Augenblick extremer Gewalt in den USA, die nach aktuellen Formen des künstlerischen Aktivismus verlangt, könnte die Ausstellung Art AIDS America mit ihrem Finger auf der unverheilten Wunde nicht willkommener sein.

Claudia Steinberg

Klimaschutz - Naturerlebnis Stadt

Städtisches Grün wird zum Synonym für Lebensqualität. Die Initiativen “Urban Gardening” und “Essbare Stadt” ernten in Gemeinschaftsgärten. Je weniger versiegelte Fläche, desto kühler die Stadt. Bundesumweltministerin Hendricks will den Bau von Grünflächen verstärkt fördern.

Umweltministerin Hendricks will mehr Natur in die Stadt holen, damit sich die Menschen wohler fühlen.
Foto: Kathrin Harms/laif
Ein Gefühl von Urlaub in der Stadt? Hochsommerliche Temperaturen, kleine Seen, schattige Grünanlagen und Parks tragen dazu bei, dass sich Menschen in ihrer Stadt wohlfühlen. Eine heitere Stimmung breitet sich aus, Cafés und Biergärten sind gut besucht, Schwimmbäder fast überlaufen.In den Städten ist Grün zu einem Synonym für Lebensqualität geworden. Parks, Gärten, Wiesen, Pflanzen auf Dächern, Balkonen und Fassaden sind ein entscheidendes Kriterium für die Wahl des Wohnorts.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks will mehr Natur in die Stadt holen, damit sich die Menschen wohler fühlen. “Ich habe Grün in der Stadt als neuen Schwerpunkt in unsere Städtebauförderungsprogramme aufgenommen”, sagte sie in einem Zeitungsinterview Anfang Juli.
Das Grünbuch zitiert eine Internetumfrage, wonach 98 Prozent der Befragten Grün- und Parkanlagen wichtig sind. Familien bevorzugen Flächen, auf denen Kindern unbeschwert spielen können. Ältere Menschen bevorzugen dagegen befestigte Wege.

“Mit unserm ,Grünbuch’ liegt eine erste Bestandsaufnahme vor, die zeigt, wie vielfältig urbane Grünflächen sind: als Orte der Erholung, Begegnung und Integration. 
So kehre die landwirtschaftliche Produktion als “Urban Gardening” zurück in die Städte. Dabei schließen sich Nachbarn zusammen und legen Gärten an, wie in Berlin-Kreuzberg oder auf dem ehemaligen Flughafen Berlin-Tempelhof.
Kinder haben besonders viel Spaß daran, selbst Obst und Gemüse zu ernten. Und ganz allein auf Bäume klettern, unbeaufsichtigt im Matsch spielen, Staudämme bauen und Käfer um die Wette laufen lassen? Das können Kinder auf Pilotflächen in großen und kleinen Städten, den “Naturerfahrungsräumen”.
Die Naturbewusstseinsstudie 2020 belegt, dass die Einwohner das Grün der Städte mit freiem Zugang sehr gern nutzen.   Von 92 Prozent der Bevölkerung wird Natur in der Stadt als Raum für Erholung und Entspannung für sehr wichtig oder eher wichtig erachtet.

15 Hektar am Monte Scherbellino, einer ehemaligen giftverseuchten Müllkippe in Sachsenhausen, und sieben Hektar im Bonameser Nordpark dürfen verwildern: Frankfurt ist Wildnis-Vorreiter. Gemeinsam mit Hannover und Dessau-Roßlau starte die Stadt ins Pilotprojekt des Bundesumweltministeriums “Städte wagen Wildnis”. 
Modellprojekte wie “Blumen- und Stadtwiesen im Straßenbegleitgrün der Stadt Frankfurt” oder “Kirchhain blüht auf” veranschaulichen, wie die Gestaltung naturnaher Grünflächen aussehen kann.

Die Stadt Andernach hat für ihr Konzept “Essbares Andernach” schon mehrere Preise gewonnen. “Flächen, die früher richtige Schandflecken waren, sehen jetzt richtig toll aus”, sagt Stadtsprecher Christoph Maurer der dpa.Zuerst wurden Tomaten gepflanzt, es folgten Obstbäume, Kräuter, Salat. Im Park am Rhein weiden Schafe, im Stadtgraben laufen Hühner herum. 

Auch in Darmstadt sollen Grünflächen und Brachen genutzt werden, um Obst, Gemüse und Kräuter anzubauen.Gebäude mit Wärmedämmung, außen liegende Verschattungselemente, Sonnenschutzgläser und die Begrünung von Gebäudefassaden und -dächern sorgen für Abhilfe, ebenso wie  Grün- und Gewässerflächen. 

Vandalismus gibt es so gut wie nicht. “Wenn Brachflächen zu Gemeinschaftsgärten werden, identifizieren sich die Leute stärker mit ihrem Quartier und fühlen sich auch dafür verantwortlich”, sagt Juliane Wagner vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR).

Josef Albers - Magie mit eigenen Augen erlebt

“Josef Albers ist einer der wenigen Künstler, dessen Werk auf Anhieb identifizierbar ist”, sagt David Leiber, ein Partner der Zwirner Galerie, und meint natürlich sein1949, im Alter von 62 Jahren begonnenes Opus “Hommage an das Quadrat”, das ihn bis an sein Lebensende beschäftigte. Die erste dieser ebenso systematischen wie sinnlichen Explorationen über die Wechselwirkungen von Farbe und Form, an die sich Albers mit einer Arbeit in Weiß, Grau und Schwarz herantastete, wird im Zentrum einer Ausstellung im November in New York stehen, mit der die Galerie ihre Zusammenarbeit mit der Josef und Anni Albers Stiftung vorstellt: im Juni hatte die von dem Künstlerpaar 1971 gegründete Organzisation David Zwirner unter namhaften Konkurrenten wie Dominique Lévy, Hauser & Wirth und dem bisherigen amerikanischen Galeriepartner Pace als neuen Repräsentanten auserkoren. 

Josef und Anni Albers. 
Foto: The Josef and Anni Albers Foundation, 
Inc./Artists’ Rights Society, New York

Nach dem Tod von Leslie Waddington, einem Connoisseur und Galeristen der alten Schule, der die Stiftung von Anbeginn in London vertreten und eine enge Freundschaft mit ihrem Direktor Nicholas Fox Weber gehegt hatte, suchte man nach einer zeitgemäßen Präsenz auf dem internationalen Markt. “Wir konnten ein komplettes Paket mit einem Team von Experten und hauseigenen Kuratoren anbieten”, erklärt Leiber. Darüber hinaus zählen von Albers nachhaltig beeinflußte Künstler wie Dan Flavin, Ad Reinhardt und Donald Judd, der zum Beispiel von der “Lyrik und jubelnden Ambiguität” der Luminant-Serie schwärmte, zum Zwirner Portfolio. 

Anni Albers, die 1949 als erste Designerin eine Soloausstellung im MoMA bekam (16 Jahre bevor ihr Mann dort seine große Retrospektive hatte), ist dagegen mit ihren Textilien eine Ausnahme im Galerieprogramm. Trotz zahlreicher Ausstellung - zum Beispiel auch in der Tate Gallery im kommenden  Herbst - “stand Anni immer ein wenig in Josefs Schatten”, meint Leiber. “Sie waren ein sehr starkes Paar, und es herrscht dieser Irrglaube, dass die Beiden auch viel zusammengearbeitet hätten - in Wirklichkeit erstreckte sich ihre Kooperation bestenfalls auf das Bemalen von Ostereiern.” Gemeinsam war ihnen der unverwüstliche Idealismus der europäischen Moderne und die Neugierde auf die neue Welt - nicht nur auf die Vereinigten Staaten, sondern auch auf Kuba und vor allem Mexiko, wohin sie rund dreißig Reisen unternahmen.

 Ihre Souvenirs von diesen Aufenthalten vermachten sie schließlich dem Peabody Museum of Natural History, Teil der Yale University, wo beide lehrten. Vor allem aber verarbeitete Anni ihre Begegnungen mit der mesoamerikanischen Kultur in ihren eigenen Meisterwerke, und Josef verhalfen sie zur Verfeinerung seiner Relativitätstheorie der Farbe, die er bereits mit seinen Glasarbeiten am Bauhaus zu erkunden begonnen hatte. “Wenn man sich Beobachtung verschreibt, wie die Dinge von ihrem Umfeld beeinflußt werden und umgekehrt,” sagt Leiber, “dann kann man Magie mit eigenen Augen erleben.”

Claudia Seinberg