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Thursday, January 29, 2015

Weimar - Ausstellung: Goethe als Autogramm-Jäger

Johann Wolfgang von Goethe interessierte sich brennend für Handschriften Prominenter. Rund 2000 Autographen umfasste seine Sammlung. Eine Ausstellung in Weimar zeigt ausgewählte Beispiele.
Schiller, Friedrich von; 1759-1805. Werke: Wilhelm Tell, eigenhändiges Manuskript.
Der alternde Dichter sammelte mit großem Eifer Handschriften namhafter Persönlichkeiten - von Zeitgenossen, aber auch von längst gestorbenen Künstlern, Gelehrten und gekrönten Häuptern. “Um die 2000 Autographen von etwa 1500 Personen hat Goethe etwa in seinen letzten 25 Lebensjahren zusammengetragen”, sagt die Kuratorin Evelyn Liepsch vom Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar. 14 der interessantesten Einzelstücke samt Geschichte präsentiert das Archiv nun in der Ausstellung “Von Mozart bis Napoleon”. 
Neben Briefen, Notizzetteln, Stammbucheinträgen und Notenschriften reichten ihm auch durchgepauste Unterschriften wie die von Napoleon. Goethe hatte den Kaiser der Franzosen 1808 persönlich in Erfurt getroffen. Auch Freunde und Bekannte hatten dem Dichter bei seiner Leidenschaft geholfen und neue Quellen aufgetan. So hat Goethe von einer Brieffreundin aus Wien ein Mozart-Fragment erhalten, das nach der Ergänzung durch seinen Freund Stadler als Klavier-Fantasie in c-Moll bekanntgeworden ist und in der heutigen Mozart-Forschung eine besondere Rolle spielt.
Quelle: Deutsche-Welle

Wednesday, January 21, 2015

In Chicago entstanden die ersten Wolkenkratzer der Welt - Die Stadt ist der Geburtsort moderner Architektur

Mit einer riesigen Katastrophe im Jahre 1871 begann eine neue Epoche der Stadt Chicago. Nach dem Great Fire am 8. Oktober war die Stadt bis auf die Grundmauern niedergebrannt, 17 000 Gebäude wurden zerstört und der Schaden belief sich auf 20 Millionen US Dollar.  Nach dem Großen Feuer war Chicago bis auf die Grundmauern niedergebrannt und die Stadt hatte praktisch keine andere Wahl, als sich selbst neu zu erfinden. Chicago nahm diese Chance wahr und wurde zu der großartigen modernen Metropole, die sie heute ist. Architekten und Landschaftsdesigner aus ganz Amerika strömten in Scharen in die Stadt.
Old Chicago Waterworks, eines der wenigen Gebäude, die den großen Brand 1871 überstanden haben


Nach Entwürfen von William La Baron Jenney entstanden weltweit die ersten Wolkenkratzer mit Stahlrahmenkonstruktion – die  Chicago School of Architecture war geboren. Im Jahr 1909 entwarf Daniel Burnham einen Plan für die Stadt, der zur Vorlage für andere Städte werden sollte. Chicago war es gelungen, sich architektonisch einen Namen zu machen. Heute kann man  noch eines der wenigen Gebäude, die das Große Feuer überlebt haben - Chicago Water Works - besichtigen, in dem sich jetzt ein Besucherzentrum befindet. Auch wenn der erste Wolkenkratzer schon lange nicht mehr steht, kann Chicago auf drei der höchsten Gebäude der Welt mit Recht stolz sein – den  Sears Tower (gleichzeitig das höchste Gebäude der USA), das John Hancock Center und das Aon Center.
Treppenhaus im Rookery (1886), ein Gebäude, das Daniel Burnham entwarf und
Frank Lloyd Wright 1905 renovierte


Bei einer Stadt, die Architektur so ernst nimmt, überrascht es nicht, dass sie gleich mit mehreren Einrichtungen aufwartet, in denen man das architektonische Erbe von Chicago selbst erleben kann. Der beste Ausgangspunkt für eine Entdeckungsreise ist das Chicago Achitecture Foundation/ArchiCenter auf der South Michigan Avenue, das mehr als 70 verschiedene Touren und Aktivitäten aller Art bietet. In der City Space Gallery des Centers lässt sich anhand einer Darstellung der Bauabfolge und eines maßstabgenauen Modells der Chicagoer Innenstadt der Nachbau vollziehen. In dem im Lincoln Park beheimateten Chicago History Museum erföhrt man alle Einzelheiten über das Große Feuer und die Rolle, die es in der Geschichte der Stadt spiele.

In Chicago hat der Besucher viele verschiedene Möglichkeiten, die Architektur der Stadt kennen zu lernen – zu Fuß, per Bus oder – was vielleicht noch aufregender ist – bei einer Bootsfahrt auf dem Chicago River, bei der er die Werke vieler Pioniere der Architektur bewundern kann, die die Stadt geprägt haben.

Willis Tower (früher Sears Tower) ist mit seinen 442 Metern
gehört mit zu den höchsten Gebäuden der Welt
Einer der beachtenswerten Architekten war Daniel Burnham, der berühmteste Städteplaner und Designer, der den Entwurf für das „neue“ Chicago schuf und eine Reihe bahnbrechender Gebäude entwarf. Zu diesen gehören  das Roockery Building und das Reliance Building das erst vor kurzem renoviert und als Hotel Burnham zu seinen Ehren neu eröffnet wurde.

Louis Sullivan, ein anderer Meister und Zeitgenosse von Burnham, entwickelte seinen eigenen Stil und nahm Einfluss auf so wichtige Künstler wie Frank Lloyd Wright, der kurze Zeit für ihn arbeitete. Sullivans Werk ist im Jewelers´ Building, im Auditorium Building und im Carson Pirie Scott Building zu bestaunen.
Ludwig Mies van der Rohe schuf die Crown Hall

Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entstand in Chicago ein eindeutig amerikanischer Architekturstil - der Prairie Style. Diese Stilrichtung ruft die unendlich große Weite der amerikanischen Landschaft wach, in dem sie die horizontale Ausdehnung konzentriert und die Übergänge zwischen Innenraum und Außenraum verwischt. An verschiedensten Orten der Stadt, vor allem aber im nahe gelegenen Vorort Oak Park, kann sich der Besucher an Werken der bekanntesten Vertreter dieses Stils, George Maher und Frank Lloyd Wright, durch eine in mehreren Sprachen erhältliche, in eigener Regie geführte Audiotour erfreuen.

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts wurde Chicago zum Magnet für Architekten von internationalem Ruf.  Unter diesen befand sich Ludwig Mies van der Rohe, dessen glatter, glänzender “International Style“ der Stadt eine unlöschbare Prägung verliehen hat. Van der Rohe war unter anderem Architekt der Türme am 860-880 Lake Shore Drive und Designer zahlreicher Gebäude des Illinois Institute of Technology, darunter der Crown Hall, einem überwältigenden Verbund aus Stahl und Glas. Der deutschstämmige Architekt und Einwohner Chicagos, Helmut Jahn, ist bekannt für sein gewaltiges und kontroverses Design, das sich im James R. Thompson Center dem United Airlines Terminal des O´Hare International Airports und im State Street Village am Illinois Institute of Technology wieder findet.
Der deutsche Architekt Helmut Jahn, ist bekannt für sein gewaltiges und kontroverses Design wie hier im United Airlines Terminal


Seit Anfang des neuen Jahrtausends entsteht in Chicago jedoch weitere bedeutende Architektur.Frank Gehry schuf beispielsweise das Kernstück des im Stadtzentrum liegenden Millennium Parks, den Stählernen Jay Pritzker Pavillon.

Ein Highlight der avantgardistischen Architektur in Chicago ist der
stählerne Jay Pritzker Pavillon im Millennium Park von Frank Gehry


Wednesday, January 14, 2015

Atlanta - “Das Fox”, ein Theater, das man unbedingt besuchen sollte

Bei den Bewertungen der Atlanta-Besucher steht es an der Spitze: Das Fox-Theatre. Es gilt als historisches Schmuckstück der Südstaaten-Metropole und vermittelt im altehrwürdigen Haus den Klang vergangener Tage. Es ist einer der wenigen noch existierenden großen Filmpaläste und steht unter Denkmalschutz. Und die Faszination dieses Hauses ist immer gleich, egal, ob man nun eine Abendvorstellung besucht oder sich nur das Gebäude oder einige der Räume ansieht. Hier steht man inmitten einer langen und  dramatischen Geschichte, die Ende der 1920er Jahre begann.

Das “Fox”, gebaut vom Architekten Olivier Vinour, war zunächst nicht als Theater 
gedacht, sondern eine religiöse Versammlungsstätte der Shriners und trägt so Züge freimaerischer Architektur. Das spiegelt sich ganz besonders im “ägyptischen Ballsaal” wider. Daher auch der orientalisch anmutende Pomp mit vielen Details. Der Saal hat einen Amon-Tempel in Karnak zum Vorbild, die Ladies Lounge im Mezzanin zeigt eine Replik des Thronsessels von Tutenchamun. Das große Auditorium mit seinen 4678 Sitzen gibt sich als Nachbildung eines offenen arabischen Hofes, inklusive Sternenhimmel und projezierbaren Wolken. Man sitzt sozusagen unter freiem Himmel. Das Kino war zu seiner Entstehungszeit eines der größten in den Vereinigten Staaten und als The Fabulous Fox bekannt.

Der geplante Yaarab Temple der Shriners kostete damals 2,75 Millionen US-Dollar, die nicht vorhanden waren.  Aber dann betrat der Filmproduzent William Fox die Szene und durch sein finanzielles Engagement konnte der Palast fertiggestellt werden. Eröffnet wurde das Haus am 25. Dezember 1929, also zwei Monate nach dem New Yorker Börsenkrach. Nach 125 Wochen musste das Theater allerdings seine Insolvenz erklären. Was nun? Trotz aller finanziellen Schwierigkeiten in den 1930er Jahren blieb das Fox erhalten und feierte in den 1940er Jahren eine Art Renaissance als schicker Tanzpalast.

Aber dannn stand es in der Mitte der siebziger Jahre ganz schlecht um den in die Jahre gekommenen Tanzpalast. Das Fernsehen entpuppte sich als brutale Konkurrenz. Das Geld wurde knapp und es fanden sich keine Geldgeber mehr. Das Fox sollte abgerissen werden und an seine Stelle das Bürohaus einer Telefongesellschaft errichtet werden. Aber dagegen wehrten sich die Bewohner vehement und im Mai 1974 wurde das Haus im National Register of Historic Places registriert und zwei Jahre später zur National Historic Landmark erhoben, der Schritt in den Denkmalschutz. Und dieser Schritt hat sich gelohnt: Das Theater besuchen pro Jahr 750 000 Kunstfreunde. 

 Einige der jährlichen Highlights sind “The Nutcracker Ballet “, die “ Internationale Delta “-Serie und die preisgekrönten Theaterstücke. Zusätzlich werden Führungen mehrmals pro Woche gegeben. Mehr darüber: Tel. 404 688-3353. Tickets entweder online (www.ticketmaster.com), an der Abendkasse Fox Theatre, über (404) 817-8700 ) oder persönlich.

Ingrid Steinberg

Wednesday, December 17, 2014

Chicago: Das Art Institute of Chicago ist ein Wunderland der Kunst aus fünf Jahrtausenden

Egal, ob nun Einwohner, Gast oder Besucher der Windy City und ein bisschen kunstinteressiert, kommt an einem der besten Museen der Welt einfach nicht vorbei, dem “Art Institute of Chicago”. Von außen ein imposanter Bau, doch innen ein Wunderland mit einem Bestand von 300.000 Kunst- und Kulturwerken aus fünf Jahrtausenden, die in dem großen Gebäudekomplex untergebracht sind, allerdings nur zu einem kleinen Teil in der Schausammlung gezeigt werden. Doch es gibt genug zusehen. Kein Wunder: Das Museum stellt mit 1,4 Millionen Besucher jährlich einen der touristischen Hauptanziehungspunkte von Chicago  dar.

Zwei Bronzelöwen des amerikanischen Bildhauers Edward L. Kemeys bewachen den Haupteingang des renommierten Art Institute, das anlässlich der Weltausstellung 1893 errichtet wurde und in den folgenden Jahrzehnten ständig erweitert und immer wieder renoviert wurde, zuletzt 1987.Berühmt ist das Museum für seine Sammlung der Impressionisten, Post-Impressionisten und der Amerikanischen Kunst. Das Museum rühmt sich der weltgrößten Sammlung von Monet-Gemälden.  
Porträt des Jacques 
Im Museum findet man bekannte Werke wie zum Beispiel Vincent van Goghs “Selbstbildnis”, Claude Monets “Heuschober”, Pabloo Picassos “Frau im roten Sessel”, Georges Seurats “Ein Sonntagnachmittag auf der Insel La Grande Jatte”, Amedeo Modiglianis “Porträt des Jacques Lipchitz mit seiner Frau”, Grant Woods “American Gothic” und Edward Hoppers “Nighthawks”. Es beherbergt auch das Lebenswerk des Fotografen Irving Penn.

Darüber hinaus zeigt das Haus auch Kunst des 20. Jahrhunderts, darunter Werke deutscher Künstler, wie die Arbeit “Filzanzug” von Joseph Beuys aus dem Jahr 1970. Gerhard Richter ist mit der bemerkenswerten, abstrakten Werkgruppe “Eis” (Ice) und mit dem Gemälde “Frau, die Treppe herabgehend” (Woman Descending the Staircase) von 1965 vertreten. Zu den anderen Schätzen des Art Institute gehören Marc Chagalls bunte Glasfenster und Georgia O’Keefe’s „Sky Above the Clouds“, das größte Gemälde (244 x 732 cm) des Museums.


Ausstellungen asiatischer und afrikanischer Kunst und die Fotografien im Erdgeschoss. Dort befindet sich auch ein Education Center für kleine Besucher. Mo-Mi, Fr 10.30-17, Do 10.30-20 Uhr | Eintritt 12 Dollar | 111 S. Michigan Ave. | www.artic.edu | Bus 3, 4, 60, 145, 147, 151 | U-Bahn/El Green Line, Brown Line, Orange Line bis Adams
Im Allerton Building werden Chinesische Bronze und Keramik, afrikanische Kunst, sowie Waffen, Rüstungen und Elfenbeinschnitzereien gezeigt. Ein Anziehungspunkt in diesem Gebäude bildet jedoch die Sammlung Europäischer Malerei vom 15. bis zum 19. Jahrhundert. Claude Monet,Paul Gauguin, Paul Cézanne, aber auch Rembrandt van Rijns „Alter Mann mit der Goldkette” sind hier zu finden. Das Obergeschoss beherbergt außerdem die Architektur-Sammlung mit einem Schwergewicht der Baugeschichte von Chicago. Frank Lloyd Wright und Mies van der Rohesind hier die bekannten Namen. Im Untergeschoss ist die Fotografiesammlung zu sehen, die 1949 aus der Sammlung des Fotografen Alfred Stieglitz hervorgegangen ist.

 Bewundern Sie klassische Gemälde wie American Gothic und reisen Sie in den neu eröffneten Galerien, die der Kunst des antiken Griechenlands, Japans, Afrikas und Amerikas gewidmet sind, rund um den Globus.

Art Institute of Chicago
www.artic.edu/

111 South Michigan Avenue, Chicago, IL 60603, USA

+1 312-443-3600

Wednesday, December 10, 2014

München/Berlin - Musik-Archiv geht an Staatsbibliotheken

Die Staatsbibliotheken München und Berlin erwerben das Archiv des Schott-Musikverlages. Es enthält Orginalschriftstücke von Beethoven, Chopin und Wagner und soll vollständig digitalisiert werden.

Es sei ein nicht hoch genug einzuschätzender Glücksfall, dass das Archiv nach einem mehrjährigen Verhandlungsmarathon nun für die Wissenschaft gesichert und zugänglich gemacht werden könne, sagt Rolf Griebel, Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek zu diesem erfreulichen Ergebnis.


Das historische Archiv des Schott-Verlages umfasst über 85.000 Archivalien. Darunter sind handschriftliche Erstfassungen von berühmten Opern und Musikstücken des 18. bis 20. Jahrhunderts, auch von Richard Wagners Oper “Die Meistersinger von Nürnberg” oder Carl Orffs “Carmina Burana”. Nun soll das historische Archiv des Verlages öffentlich zugänglich gemacht werden. Die Staatsbibliotheken Berlin und München haben gemeinsam mit sechs weiteren Forschungseinrichtungen die wertvollen Artefakte jetzt erworben.

Das Archiv umfasst sämtliche Geschäftsakten des Schott-Verlages aus den Jahren 1787 bis 1945, sowie das gesamte Herstellungs-, Handschriften- und Erstausgabenarchiv von 1810 bis 1950. Es handelt sich um das größte bekannte Musikverlagsarchiv Deutschland. Bisher wurde die Sammlung in Mainz aufbewahrt und war Eigentum der Strecker-Stiftung. Der Verkaufspreis der Sammlung ist nicht bekannt.

Die Staatsbibliotheken möchten das Archiv nun vollständig digitalisieren. Die Archivalien sollen an unterschiedlichen Standorten aufbewahrt und wissenschaftlich aufbereitet werden. Neben den Staatsbibliotheken in Berlin und München gehen Teile der Sammlung auch an andere Institutionen, wie das Beethoven-Haus in Bonn und die Universitätsbibliothek in Frankfurt am Main.

Schott-Music ist einer der ältesten noch existierenden Musikverlage der Welt. Seit 1770 verlegt, editiert und verkauft das Mainzer Unternehmen Noten etlicher berühmter Komponisten: Richard Wagner, Ludwig van Beethoven, Franz Liszt und Frederic Chopin sind nur einige der berühmten Namen des umfangreichen Verlagsprogrammes.

Quelle: Deutsche-Welle

Tuesday, December 2, 2014

New York - Auch Bloombergs Nachfolger Bill de Blasio will den Big Apple durch Touristen sanieren

"Wenn ich einen Touristenbus in den Straßen von Brooklyn sehe, bin ich jedesmal hingerissen", sagte Bill de Blasio kurz nach seinem Amtsantritt. Es ist zu bezweifeln, dass sich die Bewohner des einstigen Künstlerviertels Williamsburg oder die Pioniere am noch immer giftigen Gowanus Canal über den Anblick eines roten Doppeldeckers ebenso freuen, verheißt er doch vor allem höhere Mieten und teure Restaurants. Doch im Zuge des Trends zum "erfahrungsbezogenen Tourismus" wollen sich Fremde wie Einheimische fühlen, natürlich am liebsten in bisher unerschlossenen Winkeln der Metropole. Die Ortsansässigen blicken zwar blasiert auf den Herdentrieb, der Leute aus aller Welt unweigerlich an die selben Stationen führt, doch kaum streunen die Outsider von den ausgetretenen Pfaden auf Insider Territorium, gelten sie auch schon als dreiste Eindringlinge.


 Wie Bloomberg, der über sein für 2015 gestecktes Ziel von 55 Millionen Besuchern schon in diesem Jahr hinausschoß, will auch sein Nachfolger die Wirtschaft der Stadt vor allem mit Unterstützung von Besuchern aus aller Herren Länder ankurbeln. Tatsächlich gaben die amerikanischen und ausländischen New York Touristen, die 2013 gemeinsam die Einwohnerzahl Englands überschritten, fast 40 Milliarden Dollar in New York City aus - das reicht aber längst noch nicht, im nächsten Jahr sollen es 70 Milliarden werden. Times Square, Soho, und das Metropolitan Museum wurden schon vor einem Jahrzehnt kolonisiertiert, und nun marschieren auch Menschen aus Iowa, Texas, London und Brasilien tapferen Schrittes durch das MoMA und über die Highline. Chinesen bilden die am schnellsten wachsende Gruppe unter den New York Besuchern, nicht zuletzt dank einer Training Academy für Reiseführer, von der New Yorker Handelskammer kürzlich in Shanghai eröffnet. Die Besucher aus dem Fernen Osten übernachten meist in New Jersey in Flughafennähe für ein Drittel des manhattenüblichen Zimmerpreises von knapp 300 Dollar pro Nacht und fahren morgens noch vor Anbruch der Rushhour mit dem Bus in die Stadt. Umgekehrt reisen Manhattaniten immer häufiger nach Mexico oder Costa Rica, um die durchschnittliche Monatsmiete von fast 3000 Dollar für eine Einzimmerwohnung mit Hilfe von Touristendollars zahlen zu können. Oder sie ziehen gleich nach Berlin.

Aus dem Tumult manischer Shopper und chronischer Verkehrsstaus ragt das Plaza abends als Bastion schwarzer Stille aus dem kommerziellen Hochglanz: das einstmals funkelnde Juwel sitzt als trauriger Kasten am Südende des Central Parks, die meisten Suiten zu täglich entstaubten und so gut wie nie benutzten Eigentumswohnungen verwaist - kaum mehr als eine imposante Adresse auf der Visitenkarte eines Milliardärs aus Übersee, seine Zehenspitze auf goldenem Pflaster. Da hätte man doch lieber Touristen, Portiers, Gepäck, Betrieb. Zumindest sollte sich der Einheimische gelegentlich eine Stunde als Gast in der eigenen Stadt schenken und sich in einem der noch lebendigen Grand Hotels gegenüber vom Plaza einen kostspieligen Drink erlauben. Hinter den dicken Glasscheiben breitet sich dann schweigend die fast vergessene Bilderbuchversion der Stadt mit den Joggern im Central Park aus, mit den gelben Taxis, deren Hupen man hier nur wie aus weiter Ferne hört. Zugleich kann man mit Verwunderung beobachten, wie eine endlose Prozession junger Japaner, Amerikaner und Europäer Selfies vor dem Logo des Apple-Stores an der Fifth Avenue schießt.  Was ist schon "erfahrungsbezogener Tourismus", fragt man sich schließlich und erinnert sich an die eigenen Schnappschüsse vor dem Trevi-Brunnen in Rom, unter dem ausgestrecken Arm des Corcovado in Rio, auf der Pyramide von Chichen Itza. Jeder selbsterkorene Kosmopolit ist ja auch Tourist.
Claudia Steinberg

Wednesday, November 26, 2014

Bern: Kunstmuseum Bern nimmt Gurlitts Erbe an

Ein halbes Jahr lang wurde abgewogen und verhandelt, nun hat das Schweigen ein Ende: Das Kunstmuseum Bern tritt das Erbe von Cornelius Gurlitt an. Und die Bundesregierung weiß um ihre moralische Verantwortung, dennoch: zahlreiche Werke der Sammlung stehen unter Raubkunstverdacht. Gleichzeitig unterzeichneten die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsministerin Monika Grütters, der bayerische Staatsminister für Justiz, Winfried Bausback, und der Stiftungsvorsitzende des Berner Kunstmuseums, Christoph Schäublin, eine Vereinbarung zum Umgang mit dem umstrittenen Nachlass des vor einem guten halben Jahr verstorbenen Sohns eines NS-Kunsthändlers. Demnach wollen sie für das Erbe gemeinsam Verantwortung übernehmen. "Mit der Vereinbarung", so Kulturstaatsministerin Monika Grütters, "stellt sich Deutschland seiner historischen Verantwortung für das Leid und das Unrecht, dem Verfolgte des NS-Regimes und insbesondere Menschen jüdischen Glaubens unter der nationalsozialistischen Terrorherrschaft ausgesetzt waren".


Die Bundesrepublik Deutschland hat sich damit verpflichtet, weiterhin die Provenienzforschung für alle Kunstwerke des sogenannten "Schwabinger Kunstfundes" - rund 1280 Werke aus dem Besitz Cornelius Gurlitts - zu übernehmen. Die vom Bund und dem Land Bayern getragene Taskforce wird die Provenienzforschung auch für die Werke übernehmen, die sich außerhalb der Bundesrepublik im Salzburger Haus von Gurlitt befanden und bei denen ein begründeter Verdacht auf NS-Raubkunst besteht. Im Nachlass enthaltene Werke, die sich als Raubkunst erweisen oder die mit hoher Wahrscheinlichkeit als Raubkunst einzustufen sind, werden vom Museum Bern entsprechend der "Washingtoner Prinzipien" von 1998 an die Berechtigten restituiert. "Über die Schwelle des Kunstmuseums Bern kommen generell keine Werke, die sich als Raubkunst erweisen oder mit hoher Wahrscheinlichkeit als Raubkunst einzustufen sind", betonte Stiftungsratspräsident Christoph Schäublin. Jene Werke aus dem Gurlitt-Bestand, die von den Nationalsozialisten als "entartet" verunglimpft und aus öffentlichen Sammlungen und Museen entfernt worden waren, sollen den Häusern, denen sie bis zur NS-Aktion gehörten, bevorzugt als Dauerleihgaben zur Verfügung gestellt werden.

Gleichzeitig stellt das Schweizer Museum eigene Aktivitäten in Aussicht. Gedacht ist etwa an den Aufbau einer eigenen Forschungsstelle. Die könnte unter anderem über gesetzliche Fristen hinaus exemplarisch die Geschichte der Sammlung und die spezifischen Bedingungen aufarbeiten, unter denen sie entstanden ist. "Transparenz ist geboten", betonte auch Monika Grütters. Werke, bei denen es sich nach Angaben der Taskforce um Raubkunst handele, deren Eigentümer aber nicht bekannt seien, sollen nicht nur in Datenbanken publiziert, sondern auch öffentlich ausgestellt werden, um die unbedingt angestrebte Rückgabe zu ermöglichen.

Die Wahl des Erblassers habe das Kunstmuseum Bern seinerzeit in höchstem Masse überrascht, sagte Schäublin. Triumpfgefühle habe sie schon gar nicht ausgelöst. Die seien angesichts der Geschichte, die auf der Sammlung laste, auch gänzlich unangebracht. Letztlich sei es um die Frage gegangen, ob und wie das Kunstmuseum der Verantwortung gerecht zu werden vermag, die ihm durch dieses Erbe auferlegt wird. Der im Mai verstorbene Cornelius Gurlitt hatte das Berner Museum als Alleinerben eingesetzt. Seine Sammlung umfasst mehr als 1500 Bilder und Zeichnungen, darunter auch wertvolle Arbeiten von Matisse, Picasso, Renoir und Monet.

Kurz vor seinem Tod hatte Gurlitt einen Vertrag mit der Bundesregierung unterzeichnet, in dem er die weitere Erforschung seiner Sammlung auf Nazi-Raubkunst zusicherte. Die nun zwischen Bern, dem Bund und dem Land Bayern unterzeichnete Vereinbarung basiert auf diesem Vertrag. Drei mittlerweile zweifelsfrei aus Raubkunst identifizierte Kunstwerke werden demnächst an ihre rechtmäßigen Besitzer bzw. deren Erben zurückgegeben. Die nun unterzeichnete Vereinbarung zum Umgang mit dem Nachlass von Cornelius Gurlitt wird als Meilenstein bezeichnet, aber er ist nicht der letzte auf einem langen, an Herausforderungen reichen Weg.

Quelle: Deutsche-Welle