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Sunday, April 10, 2016

Lust am Nonsens: 100 Jahre Dadaismus

Vor 100 Jahren trafen sich internationale Künstler und Literaten in Zürich, um eine neue Bewegung zu gründen: den Dadaismus. Ihre Antikunst war eine Antwort auf den Irrsinn des Krieges.
Als sich Hugo Ball, Tristan Tzara und Marcel Janco am 5. Februar 1916 in der Spiegelgasse 1 in Zürich treffen, wollen sie nichts Geringeres tun, als eine künstlerische Revolte anzetteln. Ihr “Cabaret Voltaire”, das sie an diesem Abend gründen, ist eine Mischung aus Kneipe, Theater, Lesebühne, Galerie und Club. Allabendlich laden sie in diesem Jahr in ihre Räume im Obergeschoss zu Veranstaltungen ein, deren Charakter nur schwer zu erfassen ist. Es wird musiziert, rezitiert, intoniert. Eine historische Aufnahme zeigt, wie anarchisch es zuging im “Cabaret Voltaire”: Hugo Ball, deutscher Künstler und Pionier des Lautgedichts, steht in einer kubistischen Verkleidung, die an eine Mischung aus Harlekin und Astronaut erinnert, auf der Bühne. Aus seinem Mund dringen Nonsens-Wörter: “Blago bung, basso fataka. Schampa wulla wussa…”


Die Geburtsstunde des Dada schlug in Zürich

Hier nahm der Dadaismus seinen Anfang: im Cabaret Voltaire in Zürich

Wer nicht wusste, dass an diesem Abend offiziell die Geburtsstunde des Dadaismus schlug, musste sich wie in einem Irrenhaus gefühlt haben. Oder wie in einer Kindertheateraufführung. Die Dadaisten wollten eine neue Kunst schaffen, oder besser gesagt: eine Antikunst. Dass sie ihren Treffpunkt nach dem französischen Aufklärer Voltaire benannten, war dabei sicherlich kein Zufall. Sein berühmter Roman “Candide – oder die beste aller Welten” ist eine Parodie auf die Suche nach Sinn und Verstand. In der besten aller Welten zu leben, war jedenfalls für die Dadaisten schon lange nichts als Augenwischerei. Europa befand sich seit zwei Jahren in einem verheerenden Weltkrieg: Massenmorde und Materialschlachten waren an der Tagesordnung. Aus vielen Teilen der Welt, aus Köln, Berlin, New York, Paris, Moskau oder Budapest, kamen die Künstler ins neutrale Zürich. Keine Kunstbewegung war so international. So individualistisch ihre Mitglieder waren, es einte sie der Wunsch, dem irrationalen Abschlachten auf den Feldern der Ehre eine künstlerische Antwort entgegenzusetzen.
Dadaismus als anarchische Antwort auf den Ersten Weltkrieg
Hugo Ball war der geistige Vater des Dadaismus. Er schrieb wunderbare Nonsens-Gedichte – in denen Konsonanten an Vokale gehängt wurden – die keinen Sinn ergeben. Er erfand auch den Namen dieser anarchischen Kunstrichtung. Beim Blättern in einem deutsch-französischen Lexikon stießen Hugo Ball und sein Künstlerkollege Richard Huelsenbeck auf das Kinderwort Dada, das so viel wie Holzpferdchen bedeutet. Sofort sind die Künstler begeistert. Denn auch sie wollen bei Null anfangen, sich wie ein Kind benehmen, neu lernen, paradox sein und dem Spieltrieb freien Lauf lassen. Umso passender, weil es noch die Absurdität des Namens steigert, dass auch ein schweizerisches Kopfwasser gegen Haarausfall den Namen “Dada” trägt.


Max Ernst: Die Jungfrau Züchtigt das Jesuskund

Dada war ein Angriff auf das angepasste Bürgertum
Ihre Antikunst griff den bürgerlichen Wertekanon und seine Vorbilder an. Marcel Duchamp malte 1919 eine Mona Lisa – mit Schnurrbart. Max Ernst, auch “Minimax-Dadamax” genannt, setzt sich meiner seiner katholischen Jugend in Köln auseinander: Sein Gemälde “Die Jungfrau züchtigt das Jesuskind in Gegenwart von drei Zeugen” zeigt Maria, den nackten Jesusknaben bäuchlings auf ihrem Schoß, die ausholt, um ihrem Sohn den Hintern zu versohlen. Das war purer Atheismus in Öl auf Leinwand. Sophie Taeuber, die später den Dadaisten Hans Arp heiratete, verlegte sich gleich aufs Tanzen und verzichtete eine Zeitlang aufs Malen. Auch das war eine Form des Protests, das Schubladendenken früherer Zeiten zugunsten einer Gesamtkunstwerkidee abzulegen.
Von Zürich in die Welt
Von Zürich aus schwärmen die Dadaisten in die Welt und eroberten sogar die Provinz: Tristan Tzara machte Propaganda für die neue Kunst in Paris und holte André Breton ins Boot. Kurt Schwitters fertigte im bürgerlichen Hannover Kunstwerke aus Papier, Holz, Stoff, Blech, Draht oder Sackkleinwand. Für diese Bildwelten, soviel war klar, wurden keine akademischen Fähigkeiten oder handwerkliches Können benötigt. Wie wichtig Kurt Schwitters Humor war, zeigten seine Gedichte. “Anna Blume” und die “Sonate mit Urlauten” sind lautmalerische Poesie. Weil ihm der Zutritt zum Berliner Club der Dadaisten verweigert wurde, gründete er in Hannover eine eigene Dada-Sektion und nannte sie Merz. Merz war für ihn eine Antiideologie. Und Merz ist ein genauso bedeutungsleeres Wort wie Dada, eine sinnlose Folge von Buchstaben. Es stammt aus einer Collage, die Schwitters aus einer Zeitung anfertigte. Er schnitt und klebte. Übrig blieb das Wort Merz, wie verstümmelt. Für Schwitters wurde Merz zu einer Weltanschauung, aus der er den Merzbau, die Merzrevue und eine Merzbühne schuf.


Kunst, die nicht nach Kunst aussieht: Das Pissoir von Marcel Duchamp

Je experimenteller, desto dadaistischer
Der Dadaismus hatte viele Wirkungsstätten: In Berlin attackierten Dadaisten Staat und Kirche. Raoul Hausmann schrieb dort sein “Pamphlet gegen die Weimarische Lebensauffassung”. In Paris sorgte Marcel Duchamp für Furore. Schon 1918 malt er sein letztes Gemälde. Stattdessen stellt er ein Pissoir oder ein Fahrrad-Rad auf einem Sockel ins Museum – banale Dinge, die er als “Readymades” adelte. Im Film schuf Hans Richter mit Überblendungen eine neue Ästhetik, die das Experimentelle in den Vordergrund stellte. All diese irrationalen Kunstwerke waren eine Revolte gegen die falsche Moral und gegen die große Politik, die mit Verstand nicht mehr zu fassen war. Als André Breton, bekannt geworden als Surrealist, die Bewegung in Paris zu dominieren drohte, trieb das einen Keil zwischen die Dadaisten und die Bewegung verflüchtigte sich. Wie ein Haarwasser, das allmählich seinen Duft verliert.
2016 feiern zahlreiche Museen den Dadaismus. Vorneweg Zürich, das sich das ganze Jahr über mit Ausstellungen, Theater- und Tanzaufführungen in eine Art dadaistischen Rausch begibt. Das Arp-Museum Rolandseck erinnert mit “Genese Dada” an die Entstehung der Bewegung.

Hannover - Der Leibnizkeks feiert Geburtstag


Hermann Bahlsen revolutionierte mit seinem Leibnizkeks die Welt der Backwaren - 2016 feiert das Gebäck 125. Geburtstag.
Er ist goldbraun, rechteckig, knusprig und hat mit seinen 52 „Zähnen“ einen markanten Rahmen. Im Jahr 2016 wird der Leibnizkeks 125 Jahre alt. Dass sein Keks einmal weltberühmt werden würde, hätte Hermann Bahlsen im Jahr 1891 wohl kaum gedacht. Die Idee zu dem Gebäck entwickelte der gelernte Kaufmann nach einem Aufenthalt im Vereinigten Königreich, wo er die englischen Cakes kennen und lieben lernte. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland gründete er 1889 die Hannoversche Cakesfabrik.
Aus „Ka-kes“ wurde Keks

Backwaren gab es zu der Zeit in Deutschland natürlich auch, aber mit der ERFINDUNG des Leibniz Cakes, der in Tüten abgepackt und unterwegs verzehrt werden konnte, gelang Bahlsen eine echte Innovation. Entsprechend lautete 1898 auch der Werbespruch für die Butterkekse: „Was ißt die Menschheit unterwegs? Na selbstverständlich Leibniz Cakes!“ Als Namensgeber stand übrigens einer der bekanntesten EINWOHNER Hannovers Pate: der Philosoph und Mathematiker Gottfried Wilhelm Leibniz. Weil die Deutschen das Wort „Cakes“ falsch aussprachen (nämlich „Ka-kes“), ersetze Bahlsen es durch die Schreibweise „Keks“, die sich rasch im deutschen Wortschatz etablierte.
Obwohl sich das Unternehmen über die Jahre den wandelnden Konsumgewohnheiten der Kunden angepasst und sein Sortiment um zahlreiche verschiedene Gebäcksorten erweitert hat, ist und bleibt der Leibnizkeks doch das Aushängeschild des deutschen Keksriesen – und das auch für jeden sichtbar in Form eines vergoldeten, 20 Kilogramm schweren Messingschildes an der Fassade des Firmensitzes in Hannover. 2013 wurde der goldene Keks von Unbekannten gestohlen. Nachdem Bahlsen zusagte, 52.000 Kekspackungen an 52 soziale Einrichtungen zu spenden, tauchte der Keks wieder auf. Bis heute fehlt von dem kriminellen Krümelmonster jede Spur.
Allein im Jahr 2014 produzierte die Keksfabrik 132.000 Tonnen Gebäck und erwirtschaftete 515 Millionen EURO Umsatz. Damit ist und bleibt Bahlsen auf dem deutschen Keksmarkt die Nummer eins. Für Werner Michael Bahlsen, den Enkel des Firmengründers und heutigen Chef des Unternehmens, ist das aber nicht genug. „In Deutschland sind wir stark, aber im arabischen oder asiatischen Raum haben wir noch großes Potenzial.“ Vor allem auf China setzt er große Hoffnungen. Statt Schokoladen- und Karmellfüllungen seien dort Fruchtfüllungen beliebt. Nur eines funktioniere im Reich der Mitte nicht: dunkle Schokolade.
www.bahlsen.de
www.leibniz.de

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Essen - Thomas Struth im Museum Folkwang


Die Ausstellung „Nature & Politics“ zeigt Fotos hochkomplexer Apparate und wirft Fragen nach den Grenzen des Fortschritts auf.
Der Martin-Gropius-Bau, Berlin, das High Museum of Art Atlanta und das Saint Louis Art Museum sind kommende Stationen einer Ausstellung mit Werken von Thomas Struth, die derzeit im Museum Folkwang in Essen zu sehen ist. Struth gehört zu den renommiertesten Fotografen weltweit und sein aktuelles Thema ist von globaler Bedeutung. In großformatigen Bildern zeigt die Ausstellung den technischen Fortschritt und seine Grenzen – Titel: „Nature & Politics“.
Eine Unterwasser-Erlebniswelt in den USA, ein Chemielabor in Schottland, eine Apparatur im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Greifswald: Die abgebildeten Konstruktionen sind hochkomplex, menschengemacht – und rätselhaft. Viele von ihnen bekommt die Öffentlichkeit sonst nicht zu sehen. Wozu dienen all die Kabel und Schalter? Was treibt die Menschen an, die so etwas entwickeln? Und wie dient es der Gesellschaft? Mit starken Farben auf riesigen Leinwänden stellt Struth diese Fragen mitten in den Raum.

Düsseldorfer Schule
Der 1954 geborene Künstler ist bekannt für seinen Fokus auf Strukturen und Details, die er tief ausleuchtet. Zusammen mit Andreas Gursky, Thomas Ruff, Candida Höfer und anderen gehört er zur sogenannten „Düsseldorfer Schule“. In den 1970er-Jahren studierte er an der Kunstakademie Düsseldorf, zunächst Malerei bei Gerhard Richter, später Fotografie bei Bernd und Hilla Becher. Bekannt geworden ist Struth mit Fotografien aus Städten, mit Blicken auf Düsseldorf, New York oder Lima. Mittlerweile wendet er sich nach innen: „Ich will in die Fabrik gehen und sehen, wie der Maschinenraum der Moderne aussieht“, hat er einmal der Wochenzeitung „Die Zeit“ gesagt.
„Nature & Politics“ bis zum 29. Mai 2016 im Museum Folkwang, Essen
www.museum-folkwang.de

© www.deutschland.de

Los Angeles - Best Of: Neue Deutsche Filme


Film Serie
Mittwochs, 6. April bis 11. Mai 2016
Goethe-Institut Los Angeles, 5750 Wilshire Blvd. Suite 100, Los Angeles, CA 90036
Deutsch mit englischen Untertiteln
Eintritt frei 
Info: +1 323 5253388
Info@losangeles.goethe.org

In seiner jährlichen “Best Of” Serie präsentiert das Goethe Institut  eine Auswahl der interessantesten und erfolgreichsten deutsche Filme der letzten Jahre. 
Von Dokumentarfilmen bis zu Komödien, von Dramen bis zu Road Movies liefern die sechs Filme in dieser Reihe einen nachhaltigen Eindruck vom Besten was der Deutsche Film zu bieten hat.
Alle Filme sind auf Deutsch mit englischen Untertiteln. 

Mittwoch, 6. April, 19.00 Uhr 
Regie: Sebastian Schipper, BRD, 2015, 136 Min., auf Deutsch und Englisch mit englischen Untertiteln. 
Mit: Laia Costa, Frederick Lau, Franz Rogowski, Burak Yigit, Max Mauff, André M. Hennicke.

Mittwoch, 13. April, 19.00 Uhr 
Tod den Hippies!! Es lebe der Punk!
Regie: Oskar Roehler, BRD 2014/15, 105 min., Deutsch mit englischen Untertiteln. digital. 
Mit: Tom Schilling, Wilson Gonzalez Ochsenknecht, Emilia Schüle, Frederick Lau, Samuel Finzi, Alexander Scheer, Hannelore Hoger. 
Musik: Blixa Bargeld, Alexander Hacke, PIL, Alien Sex Fiend, The Birthday Party, und Andere.

So sah sie aus, die beste Zeit von Westberlin: Emilia Schüle als Anti-Hippie-Heldin Sanja.


Mittwoch, 20. April, 19.00 Uhr 
Charleen macht Schluss
Regie: Mark Monheim, BRD, 2014, 104Min.,Digital. 
Mit: Jasna Fritzi Bauer, Heike Makatsch, Aurel Manthei, Simon Schwarz, Sandro Lohmann, Lauritz Greve, Dorothea Walda 

Mittwoch, 27. April, 19.00 Uhr 
Zeit der Kannibalen
Regie: Johannes Naber, BRD, 2013, 93 Min., Digital. 
Mit:Sebastian Blomberg, DevidStriesow, Katharina Schuettler Producers Milena Maitz
“Zeit der Kannibalen” mit Devid Striesow (r) und Sebastian Blomberg ©Farbfilm/dpa

Mittwoch, 4. Mai, 19.00 Uhr 
Zwischen Welten
Regie: Feo Aladag, BRD, 2014, 103 Min., Deutsch, Englisch, Dari, Pashto mit englischen Untertiteln. 
Mit: Ronald Zehrfeld, Abdul Salam Yosofzai, Saida Barmaki, Burghart Klaußner, Felix Krame

Mittwoch, 11. Mai, 19.00 Uhr 
Who Am I - Kein System ist sicher 
Regie: Baran bo Odar, BRD, 2014, 106 Min., Deutsch mit englischen Untertiteln. 
Mit: Tom Schilling, Elyas M’Barek, Hannah Herzsprung, und Wotan Wilke Möhring.


$1 ermäßigtes Parken (gilt nur für Veranstaltungen) ab 18:00 Uhr an Wochentagen und den ganzen Tag an Wochenenden (Tiefgarage Wilshire Courtyard West-P1).

Chicago Goethe Institut - Almanya - Willkommen in Deutschland

Filmserie: Migration - Integration - Flucht
Dienstag, den 12. April 2016 um 18 Uhr
Goethe-Institut Chicago, 150 N. Michigan Ave., Suite 200
Deutsch mit englischen Untertiteln
frei
Regie: Yasemin Samdereli, Farbe, 95 Min., Deutschland, 2009-2011


1964 kam Hüseyin Yilmaz aus der Türkei nach Deutschland. Später holte er Frau und Kinder nach. Jetzt erzählt seine Enkelin mit Wärme und Humor die Familiengeschichte – während der Clan unterwegs ist, um am Ort des Ursprungs Urlaub zu machen. Wo die eigentliche Heimat ist, wird sich jeder von ihnen selbst fragen müssen.
Yasemin Samdereli, geboren 1973 in Dortmund, 1993 bis 2000 Studium an der Hochschule für Fernsehen und Film in München. Zur gleichen Zeit freie Mitarbeit für die Bavaria-Film, später auch als Regie-Assistentin bei internationalen Kinoproduktionen, darunter zwei „Jacky-Chan“-Filme. An der TV-Serie „Türkisch für Anfänger“ war sie als Co-Autorin beteiligt. ALMANYA – WILLKOMMEN in Deutschland ist ihr Kinofilmdebüt.


Wir sitzen im Süden

Filmserie: Migration - Integration - Flucht

Dienstag, den 19. April 2016 um 18 Uhr
Goethe-Institut Chicago, 150 N. Michigan Ave., Suite 200
Deutsch mit englischen Untertiteln
frei
Regie: Martina Priessner, Farbe, 88 Min., 2010

Sie melden sich mit Ralf Becker und Ilona Manzke. Sie sind freundlich, geduldig und kompetent. »Wir sitzen im Süden« lautet die Antwort auf gelegentliche Fragen der Kunden nach dem Standort der Firma. Die Callcenter-»Agents«, die fränkisch, badenserisch oder auch hochdeutsch sprechen, sitzen tatsächlich im Süden – in klimatisierten Großraumbüros mitten in Istanbul. Deutsche Firmen von Lufthansa bis Neckermann finden hier für wenig Lohn qualifizierte Arbeitskräfte. 
Was Bülent (30), Murat (39), Fatoş (43) und Çiğdem (33) miteinander verbindet, ist ihre Kindheit und Jugend in Deutschland. Für ein Leben in Istanbul haben sie sich nicht selbst entschieden. Nur Çiğdem, die junge Managerin mit deutschem Pass, hat sich Istanbul als Wahlheimat ausgesucht. Bülent wurde vor fünf Jahren abgeschoben. Fatoş und Murat wurden gegen ihren Willen von den Eltern in die Türkei geschickt. Selbst nach Jahrzehnten im Herkunftsland ihrer Eltern sind sie nie wirklich angekommen. Sie haben sich in einem »Ersatz-Deutschland« eingerichtet. Mehr als 20 Jahre später ist es ungewiss, ob es eine Möglichkeit für sie gibt, nach Deutschland zurückzukehren.

Martina Priessner, geboren 1969 in Ebermannstadt (Bayern). Sie studierte Sozial- und Kultur-Wissenschaften an der Humboldt-Universität in Berlin; dort arbeitete sie als Rundfunk-Journalistin und ist auch Dramaturgin und Kuratorin tätig.


Diese Veranstaltungen sind öffentlich und kostenfrei. 
Anmeldung ist dringend erforderlich:
Tel. +1 312 2630472
rsvp@chicago.goethe.org


Boston Goethe Institut - Willi Römer: Alltagsleben in Berlin 1919—1933

Ausstellung
08. Mai, 16:00 Uhr – 31. Juli 2016
Goethe-Institut Boston
170 Beacon Street, Boston
Eintritt frei
Info: +1 617 2626050 oder
program2@boston.goethe.org


Willy Römer begann 1903 eine Lehre in der ersten deutschen Presseagentur, der Berliner Illustrations-Gesellschaft; verschiedene Arbeitsverhältnisse in Berlin und Paris mit einer gründlichen fotografischen Ausbildung schlossen sich an. Von 1915 bis 1918 war er Soldat. Im November 1918 kam Römer zurück nach Berlin und übernahm von einem Kollegen die Firma „Photothek“. Unter dieser Bezeichnung erschienen von nun an seine Aufnahmen. 1920 verband sich Willy Römer mit einem Teilhaber, Walter Bernstein, der vor allem den kaufmännischen Teil der gemeinsamen Arbeit erledigte.

Das Lebenswerk entstand hauptsächlich zwischen 1905 und 1935, der Schwerpunkt lag in der Zeit von 1919 bis 1929. Willy Römer hat in Berlin die Weimarer Republik miterlebt und die politischen Vorgänge von der 1918er-Revolution bis zum Beginn der Nazi-Diktatur in zahlreichen Bildern dokumentiert. Einen besonderen Rang haben die über 200 Aufnahmen aus den verschiedenen Abschnitten der Revolution 1918/1919. Einige von ihnen wurden immer wieder verwendet und entwickelten sich so zu Sinnbildern dieser Ereignisse.

Er fotografierte Hofmusiker, Straßenhändler, Frauen im Elend der Inflationszeit, spielende Kinder, Warteschlangen vor dem Arbeitsamt, Familien sonntags im Park und andere Genreszenen. Gegenstand seiner Beobachtungen war Berlin in einer Zeit großer Umbrüche — nicht nur in der Politik. Hochhäuser aus Stahl und Glas entstanden neben mittelalterlich wirkenden Höfen und Gassen, archaisches Handwerk und industrielle Massenproduktion existierten nebeneinander, wie auch Pferdewagen, elektrische Trambahn und Automobil sich Konkurrenz machten. Gerade das Handwerk, aus dessen Umfeld Römer stammt, hatte es ihm angetan; so dokumentierte er viele Handwerksberufe, von denen ihm bewusst war, dass es sie bald nicht mehr geben wird. 

In Kooperation mit den staatlichen Museen zu Berlin und der bpk – Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte.

Los Angeles - Doppelgänger, 30 Künstler aus Deutschland und den USA

Im Torrance Art Museum ist bis zum 28. Mai die Ausstellung “Doppelgänger” zu sehen. Dabei zeigen 15 Künstler aus Deutschland und 15 Künstler aus den USA ihre Werke. 
( 3320 Civic Center, Torrance, CA 90503
Freier Eintritt)


Gezeigt werden von der Kuratorin Dr. Julia-Constance Dissel und der Initiatorin, Künstlerin und Kuratorin Sandra Mann, etablierte und junge zeitgenössische Positionen aus Frankfurt und Berlin. 
Es sind Arbeiten von Künstlern zu sehen, die in Frankfurt studiert haben, aus den Übergangsbereichen der Malerei, Bildhauerei, Fotografie, Film, Design oder die sich mit prozessbedingten Interventionen beschäftigen. 
Sie loten die Grenzen der Medien aus oder zeichnen sich in ihrem Bereich als eine besonders radikale, zeitgenössische Position aus. 
Diesen deutschen Kunstwerken stellen die Kuratoren Ichiro Irie & Max Presneill amerikanische zeitgenössische Positionen gegenüber. 
In einem die Ausstellung begleitenden Katalog erläutern sie ihre Auswahl. 
2018 soll im Austausch eine Ausstellung in Deutschland statt finden, bei der ausgewählten amerikanischen Positionen wiederum aktuelle, deutsche Positionen gegenübergestellt werden.
Die Künstler
Deutschland:
Christiane Feser, Christine de la Garenne, Florian Heinke, Sandra Kranich, Franziska Kneidl, Sandra Mann, Anny & Sibel Öztürk, Manfred Peckl, Stehn Raupach, Tobias Rehberger, Gerhard Richter, Marcus Sendlinger, Ekrem Yalcindag, Eric Decastro, Rainer Dissel
USA: 
Shiva Aliabadi, Kelly Barrie, Martin Durazo, Kio Griffith, Ichiro Irie, Fabiola Menchelli, John Knuth, Eric Yahnker, Roland Reiss, Ed Ruscha, Britton Tolliver, Steve Hough, Ave Pildas, Lena Wolek, Augusta Wood
Die Ausstellung “Doppelgänger” wird von unterstützt von:
Torrance Art Museum USA, Kulturamt Frankfurt am Main, Galerie Heike Strelow, Deutsche Bildung AG, Jürgen Conzelmann Rechtsanwaltskanzlei, Eichhorn GmbH & Co. KG, Konsequent Digital, Von Lintel Gallery Los Angeles, Goethe-Institut-Los Angeles
Ein Doppelgänger ist laut der Brüder Grimm jemand der sich an zwei Orten gleichzeitig zeigen kann. 
Insofern ist der Titel sehr treffend, da sich ähnliche künstlerische Themen, Impulse und Stile des Öfteren zu gleicher Zeit an unterschiedlichen Orten der Welt herausbilden und präsentieren. 
„So verhält sich das in der aktuellen Kunstproduktion weltweit und die Globalisierung erfährt durch die sozialen Netzwerke eine Beschleunigung dieses Phänomens“, das beobachtete die bildende Künstlerin, Initiatorin und Kuratorin der Ausstellung, Sandra Mann.
Der Auslöser für die Idee einer “Doppelgänger-Ausstellung entstand indem Ichiro Irie und Sandra Mann feststellten, dass sie beide zu gleicher Zeit ein Thema an unterschiedlichen Orten der Welt auf unterschiedliche Weise künstlerisch erforschten.
Als Künstlerin und Dozentin tätig, reiste sie 2011 nach Los Angeles um dort einen Vortrag am Art Department / Santa Monica College zu halten und eine Ausstellung in Ichiro Iries „JAUS“ (mexikanisch ausgesprochen „Haus“), einem Artist Run Gallery Space in Los Angeles, mit Künstlern aus Deutschland zu bestücken. 
Dort traf sie auch Künstler und Kurator, Max Presneil, der Direktor des Torrance Art Museums ist. Gemeinsam entwickelten er zusammen mit dem Künstler Ichiro Irie und ihr die Idee einer „Ex-change-Ausstellung“. 
Zurück in Deutschland freute es alle, auch Dr. Julia-Constance Dissel für das Projekt zu gewinnen. 
Julia, deren Schwerpunkt in Lehre und Forschung u.a. das Feld der Kunst- und Designtheorie des 20. und 21. Jhs. ist und die an diversen Hochschulen im In- und Ausland gearbeitet hat, ist zudem Kuratorin und Herausgeberin der CRITICA-Zeitschrift für Philosophie und Kunsttheorie.

Insofern sie auch noch in den USA aufgewachsen ist, bringt sie beste Voraussetzungen für das Projekt mit.