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Friday, April 10, 2015

Willkommen auf dem Mars - Eine junge Physikerin trainiert das Leben auf dem Roten Planeten

Die Kassiererin mit der Vintage Hochfrisur in der größten der drei Tankstellen, die mit dem Whispering Sands Motel und einem kargen Supermarkt das Zentrum des 215-Seelenorts Hanksville am Dirty Devil River in Utah bilden, ist es gewohnt, verirrten Autofahrern den Weg zur Mars Desert Research Station zu beschreiben. Trotzdem fühlt man sich auf dem sieben Kilometer langen, versandeten  Wüstenfad zwischen Tafelbergen, die an Festungen untergegangener Reiche erinnern, recht verloren, aber schließlich taucht die winzige Forschungsstation im Windschatten eines gigantischen Felsens auf. Zwei Astronauten in schwarzen Raumanzügen und Kugelhelmen aus Plexiglas begleiten den Besucher in die Druckausgleichskabine, in der man in den folgenden vier Minuten mit Hilfe der eigenen Fantasie und eines strikt eingehaltenen Protokolls die Erde hinter sich lassen soll. 

Spaß in der Schwerelosigkeit
“Willkommen auf dem Mars”, begrüßt dann Commander Bakken den Gast mit militärischer Forschheit und läd in den Forschungssilo ein, wo sich Hirse- und Hopfenpflänzchen in synthetischer Marserde an Solarenegie wärmen. Glücklicherweise, denn die von einem dieselbetriebenen Generator erzeugte Elektrizität ist seit ein paar Stunden ausgefallen. Für Kellie Gerardi, die Öffentlichkeitsliaison des siebenköpfigen Teams internationaler Wissenschaftler, das hier für zwei Wochen das Leben auf dem Mars einübt, verleiht die reale Krise jedoch der außerirdischen Simulation einen erfreulichen Realitätsschub. “Wir haben kein Internet, die Wasserpumpe funktioniert nicht, der Kühlschrank wird warm”, erklärt sie mit verhaltener Aufregung. 

Kellie ist auch für das botanische Projekt verantwortlich, das später in die Produktion des ersten Marsbiers münden soll. Zu ihrem 26. Geburtstag, den die Physikerin und Kommunikationswissenschaftlerin auf der Marsstation verbringt, wird es noch nicht fertig sein. Die Ingredenzien für den Kuchen stehen auch noch nicht fest, doch soll er in jedem Falle mit den Zuckerziffern 13.8 gekrönt sein - Kellies Alter in Marsjahren, die aus 687 Tagen bestehen. Sie steigt eine steile Holzstiege in den ersten Stock, wo sich hinter einer Reihe von sieben Türen die engen, fensterlosen Schlafkojen verbergen. Die Speisekammer ist mit gefriergetrocknetem Huhn und Fleisch, pulverisierter Butter, federleichten Tüten mit dehydrierten Himbeeren sowie gedörrten Taranteln und Erdwürmern in hübschen Dosen gefüllt. “Insekten liefern die reinste Form tierischen Proteins in der gesamten Galaxie”, meint Kellie, die sich Käferfarmen auf dem auf Mars vorstellt. 

Überhaupt hat der rote Planet ihre Imagination schon als Kind angestachelt. Die Tochter eines Wall Street Finanziers und einer Immobilienmaklerin wuchs in Jupiter an der “Space Coast” von Florida auf, wo sie zahllose Raketen in den Himmel entschwinden sah. “Es war eine beinah religiöse Erfahrung, wenn die Erde unter den Füßen zitterte und die Schallmauer über dem Kopf brach”, erinnert sie sich. “All die großen Fragen stellen sich in diesem Moment: warum sind wir hier, sind wir allein, was ist das Universum? Die Antworten finden wir nur in der Erforschung des Weltalls.” Mit dem Astrophysiker Steven Hawking teilt Kellie Gerardi die Überzeugung, dass die Zukunft der Menschheit von der Kolonisierung anderer Planeten abhängt: “Er sagte mir, dass wir ohne Weltraumforschung wie Schiffbrüchige auf einer verlassenen Insel enden werden”, zitiert sie ihren Helden. Die drohende Zerstörung unseres eigenen Planeten motivierte die Idealistin, sich 2012 mit über 200,000 Anwärtern aus aller Welt bei der non-profit Firma Mars One um einen Platz auf der siebenmonatigen Jungfernreise zu dem erdverwandtesten Himmelskörper unseres Sonnensystems zu bewerben. 

Sie schaffte es in die enge Auswahl von 660 Kandidaten und hat sich seither unbeirrbar auf den blassroten Punkt am Firmament konzentriert. “Wir haben die technologischen Mittel zur bemannten Marsexploration, es ist nur eine Geldfrage, wann es dazu kommt”, meint Kellie Gerardi, die ebenso fest von Notwendingkeit, den Weltraum zu demokratisieren, überzeugt ist wie von der Anpassungfähigkeit der Menschen an neue Bedingungen. Dass bisher nur rund 600 Vertreter unserer Spezies die Erde verlassen haben, empfindet sie als schmerzlichen Verrat an unserem eigenen Potenzial.

Bevor die ersten Menschen in rund zehn Jahren die 225 Millionen Kilometer lange Reise antreten können, müssen Roboter eine elementare Infrastruktur in der Nähe des Äquators, wo im Sommer bis zu 20 Grad Celsius statt der Minustemperaturen von 220 Grad an den Polen herrschen, installieren: Satelliten, Solarpaneele, Behausungen, gefolgt von mehreren Versorgungstransporten. “Ehe ein Mensch den Mars betritt, müssen etliche Kargoeinsätze erfolgreich absolviert worden sein”, sagt Kellie. “Scheitern kommt nicht in Frage.” Die ersten Besiedler folgen ihren adroiden Wegbereitern mit leichtem Gepäck - die Vision einer neuen Gesellschaft, die alles, was sie braucht, mit dem 3D-Drucker kreiert, von den Werkzeugen bis zum Mobiliar, und diese Objekte je nach Bedarf zu anderen nützlichen Dingen transformiert, ist von bestechender Eleganz, an der sich die so verschwenderischen Erdenbürger ein Beispiel nehmen sollten. Zu Kellies Aufgaben auf der Marsstation zählt es herauszufinden, wie lange ihr 3D Drucker zur Herstellung von Instrumenten braucht und ob er Ersatzteile für ramponiertes Equipment auf der Marsstation herstellen kann. 

Zugleich suchen zwei ihrer Kollegen - Mikrobiologen aus Japan und Belgien - in ihren unbequemen Raumanzügen nach sogenannten “extremophilen” Organismen zum Vergleich mit eventuellen Lebensformen auf den Mars. Das Ziel ist, auf dem ungastlichen Gestirn eine autarke Gemeinde zu bilden, die aus seinem Eis sowohl Wasser als auch Sauerstoff isoliert. Denn wenn der Mars auch mit seinem Tagesrhythmus von 24 Stunden und 14 Minuten, mit seinen Jahreszeiten und einer Schwerkraft von 38 Prozent der Erdanziehung unserer irdischen Heimat am nächsten kommt, so füllt das reine Überleben unter einem ungleich geringeren Atmosphärendruck und einer nicht atembaren Luft fast jeden Augenblick der dortigen Existenz. “In der Arktik ist das auch nicht anders”, kontert Kellie Gerardi.
Kellie Gerardi mit ihrem Ido, dem Astrophysiker Steven Hawkins

Bei aller Neigung zur Utopie ist sie zu realistisch, sich darauf zu verlassen, in zehn Jahren auf dem Mars zu landen. Sie arbeitet weiterhin für die Firma Masten Space Symstems in der kalifornischen Mojave Wüste an der Entwicklung präziser Landetechnologien, und in ihrem Penthouse in Brooklyn mit Blick auf Downtown Manhattan läuft permanent der Live Video Stream der internationalen Raumstation, die 220 Kilometer über der Erde kreist. Mit ihrem deutschen Verlobten - einem Banker, den Schwerelosigkeit seekrank macht - plant sie eine Familie. Doch wenn Mars One sie an Bord rufen sollte, würde sie ihre Kinder auf der Erde zurücklassen. “Ich möchte, dass sie mit dem Glauben an ungeahnte Möglichkeiten aufwachsen - sie sollen ihre eigene Apollo-Ära erleben.” Die Telekommunikation muß dafür kompensieren, dass die Erde vom Mars aus nicht mit bloßem Auge zu sehen ist. Vor diesen Abgründen nie erlebter Einsamkeiten fürchtet sie sich genauso wenig wie vor der Tatsache, dass Mars One nur ein One Way Ticket garantiert. “Das einzige, was mir Angst macht ist der Gedanke, dass ich sterben könnte, bevor ich zum Mars komme.”  Ihr zukünftiger Mann mußte Kellie Gerardi versprechen, ihre Asche in diesem Falle als kleine Raketennutzlast mit der ersten Marsexpedition zu verschicken.

Claudia Steinberg

Atlanta - Cyclorama

Das größte Ölgemälde der Welt lässt die Schlacht von Atlanta vom 22. Juli 1864 lebendig werden. Das Cyclorama ist ein rundes, 13 Meter hohes, dreidimensionales Ölbild, das auch von deutschen Künstlern in Wisconsin mitgestaltet wurde. Später arbeitete auch Theodore Davis, der selbst in der Schlacht dabei gewesen war, mit an dem Gemälde. Die 530 Quadratmeter große Leinwand wurde 1886 fertiggestellt. Im selben Gebäude, in dem auch das Cyclorama untergebracht ist, befindet sich auch ein Museum, in dem Exponate aus der Zeit des Bürgerkrieges, Gemälde, Fotografien, Waffen, Uniformen, Landkarten und die Dampflokomotive Texas ausgestellt sind.
Cyclorama im Grant Park


Ausschnitt aus dem größten Gemälde der Welt


Atlanta Cyclorama
800 Cherokee Ave, Atlanta GA

Öffnungszeiten: Di. bis Sa.  9:15 bis 4:30 Uhr.

Tuesday, March 24, 2015

New York - Buchrezension: "Floating City: Gangster, Schlepper Callgirls und andere unglaubliche Unternehmer in New Yorks Untergrundökonomie"

Seit Sudhir Venkatesh vor sieben Jahren sein Buch über Drogenbanden in einer Chicagoer Sozialbausiedlung unter dem Titel “Gang Leader for a Day” veröffentlichte, ist der gebürtige Inder ein gern gesehener Talk Show Gast und oft gebuchter Redner - schließlich ist es für einen Soziologen eher selten, zu Crack Dealern wie den Black Kings ein freundschaftliches Verhältnis zu pflegen. Nun ist im Murmann Verlag Venkatechs “Floating City: Gangster, Schlepper, Callgirls und andere unglaubliche Unternehmer in New Yorks Untergrundökonomie” erschienen. Auch in diesem Falle ist der Columbia University Professor, der als Autor wissenschaftlicher Untersuchungen über das amerikanische Ghetto und die Überlebensstrategien der Armen einen guten akademischen Ruf genießt, tief in die geschäftige Schattenwirtschaft der Metropole eingetaucht  - ein Feld, das bisher in erster Linie Kriminologen als Studienobjekt diente. Doch der anpassungsfähige Forscher, der in einer wohlhabenden kalifornischen Vorstadt aufgewuch, “wußte, dass sich im Untergrund potentiell überraschende Wahrheiten über das Funktionieren der Gesellschaft entdecken lassen.” 

Sudhir Venkatesh ist William B. Ransford, Professor für “Sociology, and the Committee on Global Thought”, an der  Columbia University in New York City.

In acht Kapiteln und über 305 Seiten hinweg führt Venkatesh den Leser  durch das Labyrinth alternativer Einkommensformen. Er trifft die Latina-Prostituierte Angela, die auf einem schmalen Bett im Hinterzimmer des Pornoshops “Ninth Avenue Family Video” in Manhattans Hell’s Kitchen ihre Kunden bedient. Mit ihrer bescheidenen Kommission von $ 20 pro Stunde subventionieren Angela und andere illegale Sexarbeiterinnen aus Asien und Osteuropa ein legitimes Geschäft und helfen dem Ladenbezitzer Manjun, Frau und Kind aus Bangladesch in die USA zu bringen. 
Auch die Nachttaxifahrer, die tagsüber anderen wenig lukrativen Jobs nachgehen, profitieren von den Damen, wenn sie ihnen Kundschaft zuführen. Doch die wechselseitige Abhängigkeit zwischen dem gesetzwidrigen Verkauf sexueller Dienstleistungen und zugelassenen Unternehmen ist nur ein Aspekt der Überlebensstrategien marginalisierter New York Citizens, den der Autor in seinem von Dialogen belebten Stil beschreibt. Es gehört zu seinen Verdiensten, dass er seine eigene vorurteilsfreie Herangehensweise - er stockt beispielsweise in Manjuns schäbigen Laden die Regale mit frischer Ware auf bewacht auch mal die Kasse - auf den Leser überträgt. Dass der Dealer Shine aus Harlem im Hinterzimmer auch Drogen an Angelas Klientel verkauft, sieht er nur als eine weitere Facette der Untergrundökonomie: die Tatsache, dass Shine seiner Crew ein wenig mehr als den Mindestlohn bezahlt, verhilft den jungen Schmugglern zu einem Einkommen, mit dem sie Lebensstandard ihres Viertels heben. Das gleiche Phänomen beschreibt Venkatesh anhand des Pakistanis Azad, der schwarz in einem Zeitungskiosks in Chelsea arbeitet und illegalen Einwanderern gegen eine erschwingliche Gebühr Jobs vermittelt. So fallen sie weder ihrer Gemeinde zur Last noch enden sie unter den Zentausenden Obdachlosen der Stadt.

Manjuns internationaler Kleinbetrieb, in dessen Hinterzimmer zwischendurch Ärzete für eine Handvoll Bargelt Immigranten ohne Papiere einen Hausbesuch abstatten und auch schon mehrere Kinder das Neonlicht dieser Welt erblickten, ist nicht der einzige Mikrokosmos, den Venkatesh unter die Lupe nimmt.  Ein paar Straßen südlich versucht Shine, in der Kunstszene mit anspruchsvollerer Ware - Kokain statt Crack - einen neuen Markt zu erobern. Analise, reiche Tochter aus bester WASP-Familie und Zuhälterin für andere rebellische Mädchen aus gutem Hause, ist ihm dabei behilflich. Schon seine langjährige Beschäftigung mit der Infrastruktur des Drogenhandels an der Southside von Chicago hatte Venkatesh über den Unternehmergeist der Pusher, aber auch über die vertikale Natur des illegalen Geschäfts belehrt. Doch fällt es ihm schwer, New York als eine Stadt fließender Grenzen zu erkennen. Es ist sein alter Bekannter Shine, der ihn dazu bringt, die Schranken zwischen den vermeintlich abgezirkelten Nachbarschaften zu ignorieren: “Du mußt dich bewegen”, rät der ambitionierte Drogenentrepreneur dem risikobereiten Akademiker, und so treibt er mit dem Auto die Avenuen auf und ab wie eine Zelle im Kreislauf eines ständig mutierenden Organismus. Bald entdeckt er nicht nur eine direkte Verbindung zwischen den CEOs von Harlems Koksmarkt und den gepuderten Partys von Wall Street Investoren, sondern er erkennt den inoffiziellen Austausch von Waren und Serviceleistungen als integralen und beträchtlichen Anteil der urbanen Ökonomie - eine Einsicht, zu der Analytiker der Wirtschaftssysteme von Drittweltländern längst gekommen sind. 

Von Anbeginn hadert Venkatesh mit seiner Disziplin, die ihm nahelegt, seine vermeintlich unveränderlichen Subjekte je nach Einkommen, Bildung und Herkunft zu klassifizieren. Er zieht die Rolle des “teilnehmenden Betrachters” der  soziologischen Tradition distanzierter  Beobachtung vor und macht seine Sympathien für die ökonomischen Untergrundkämpfer so deutlich, dass auch der Leser Anteilnahme für die beruflichen Höhen und Tiefen eines Crackdealers empfinden kann. Die vielen lateinamerikanischen Immigrantinnen, die Angela ihm zuführt, sprengen die Stereotypen, die selbst Venkatesh unwillkürlich mit sich herumträgt:  in freimütigen Gesprächen, die der Autor aus der Erinnerung reproduziert, entpuppen sich diese Gelegenheitsprostituierten meist als alleinstehende Mütter, die hauptberuflich als Putzfrauen, Kindermädchen, Büroangestellte oder Kassiererinnen arbeiten. Offensichtlich wünscht er Angela bei ihrem Versuch, mit der jungen, schönen Carla und der auch schon älteren Vonnie ein Minibordell im East Village zu eröffnen, Erfolg, den ihr auch der häufig zum Essen eingeladene lokale Priester gönnt. 

Dass Angela bei der erhofften Hipsterklientel nicht ankommt, weil sie ihrer eigenen Einschätzung zufolge wie deren Putzfrau aussieht, und Carla schließlich Selbstmord verübt, geht ihm nah. Auch sympathisiert er mit den Hemmungen, die Shine überwinden muß, um bei der Umstrukturierung seines Business einige Angestellten zu entlassen: einer der gefeuerten Teenager fürchtet sich am meisten vor dem Zorn seiner Mutter, der es nun an Haushaltsgeld fehlen wird. Venkatesh führt diese Fälle mit der lobenswerten Intention auf, das 1965 in Senator Patrick Moynihans einflußreichem Report diagnostizierte und für die hartnäckige Armut und Kriminalität der schwarzen Ghettos verantwortlich gemachte “Gewirr von Pathologien” als sinistre Fiktion zu entlarven. Für seine Begriffe suchen Schwarzmarktentrepreneure wie Majun, Angela und Shine nur nach ihrer Variante des amerikanischen Traums und sind oft “die Stützen ihrer Gemeinden.”

Zu den Personen, die Venkateshs Weltorgnung revidieren, zählt die zur Gesellschaftslöwin bestimmte Anelise, die ihn einst an Harvard zum Weinkenner machte. Im Unterschied zu Angela und ihren Mitstreiterinnen begibt sich Analise nicht aus Not, sondern aus Widerwillen gegen die elterlichen Erwartungen auf das Terrain der Edelprostitution. Dank ihres Organisationstalents, ihrer gesellschaftlichen Networks und der selbstverständlichen Anspruchshaltung der Hochprivilegierten kann sie sich erfolgreich als knallkarte Selfmade-Geschäftsfrau neu definieren. Ihre dem soliden irisch-amerikanischen Mittelstand entstammende Kollegin Margot gewinnt Venkateshs Herz mit ihrem Engagement für ihre lateinamerikanischen und afroamerikanischen Girls, denen sie gesellschaftlichen Schliff gibt und zu finanziellem Geschick verhilft. Für den in Scheidung lebenden Feldforscher wird sie zur Vertrauten, und so unterscheidet er sich kaum von etlichen emotional bedürftigen Freiern, den einzigen potenziellen Protagonisten der Untergrundökonomie, für die er keine Neugierde empfindet. 

Und während sich Venkatesh von den Armen und Gestrandeten immer mit Respekt behandelt sieht und von ihrer “herzzerreißenden Großzügigkeit” gerührt ist, fühlt er sich auf den Feten der Reichen - Shines und Anelises Revier - “wie in einem Werbefilm.” Venkatesh versteht “Flaoting City” als “Memoiren” seiner  wissenschaftlichen Forschungsarbeit, die er auch schon zu Dokumentarfilmen und Artikeln verarbeitete, und seine Parteinahme für die abgemühten Helden der Schattenwirtschaft ist überzeugend. Oft zeugt jedoch seine breitschultrige, in der deutschen Übersetzung von Dr. Jürgen Neubauer ein wenig heruntergespielte Prosa, von einem nicht zu unterdrückenden Stolz auf seine Doppelrolle als Professor und intimem Kenner verborgener Unterwelten: wie so viele New York Afficionados kann auch Sudhier Venkatech den von ihm beschworenen “Liaisons Dangereuses”, in denen er die Seele der Stadt sieht, nicht widerstehen. 

Claudia Steinberg

Boston - Berühmte Leute aus der Stadt am Charles River

Boston, die zu den ältesten, wohlhabendsten und kulturell reichsten Städte des Landes gehörende Metropole zwischen Muddy, Mystic, Neponset und Charles River ist ein wirklich kunterbuntes Sammelsurium aus Kultur, Bildung und Leben. Im Großraum der Stadt breitet sich in Cambridge mit der Harvard University eine der renommiertesten Bildungseinrichtungen der Welt aus, während sich die Symphony Hall mit ihrem Boston Symphony Orchestra in die Herzen der Musikliebhaber spielt. Versteht sich, dass auch viele berühmte Leute aus Boston stammen, hier studiert haben oder ganz einfach die Stadt zu ihrer Wahlheimat machten.. . 

Michael Bloomberg (geb. 1942)
1942 kam in Boston Michael Bloomberg zur Welt. Der Geschäftsmann amtierte in seiner bedeutendsten Funktion als Bürgermeister der Stadt New York. Bloomberg hatte auch an der berühmten Harvard University studiert.

Bobby Brown (geb. 1969)
Bobby Brown ist ein berühmter R&B-Sänger, der im Jahre 1969 in Boston zur Welt gekommen ist.

Mary Barrett Dyer (um 1611-1660)
Im Jahre 1660 wurde die gebürtige Londonerin und Quäkerin Mary Dyer in Boston gehängt. Sie hatte die Stadt mehrmals betreten, obgleich sie sich als Quäkerin dort nicht mehr aufhalten durfte. Heute erinnert eine Statue an die Märtyrerin. Sie steht vor dem Kapitol.

Benjamin Franklin (1706–1790)
Der berühmte Staatsmann Benjamin Franklin ist ein Sohn der Stadt Boston. Franklins politische Bedeutung ist bekannt. Doch vielen nicht ganz so geläufig ist, dass er auch als Drucker, Verleger, Schriftsteller und Erfinder in Erscheinung getreten ist.

Sophie Freud (geb. 1924)
Die österreichisch-US-amerikanische Psychologin und Wahl-Bostonian machte sich auch als Sozialpädagogin und Sozialwissenschaftlerin einen Namen. Zudem ist sie als Autorin tätig.

Noah Gordon (geb. 1926)
Auch Noah Gordon hat es nach Boston verschlagen. Der Autor u.a. von “Der Medicus” hat die Stadt zu seiner Wahlheimat auserkoren.

John Fitzgerald „Jack“ Kennedy (1917-1963)
JFK amtierte von 1961 bis 1963 als 35. Präsident der USA. Das Mitglied der Demokratischen Partei war der jüngste jemals ins Amt gewählte und nach Theodore Roosevelt auch jüngste US-Präsident. Außerdem war er der bisher einzige Katholik im Weißen Haus. Kennedy hat an der renommierten Harvard University studiert.

Leonard Nimoy (geb. 1931)
Der Schauspieler Leonard Nimoy ist vor allem als Mister Spock in die Annalen der Filmgesichte eingegangen. Das emotionslose Spitzohr aus Raumschiff Enterrprise war auch als Regisseur, Fotograf und Filmproduzent tätig.

Edward Norton (geb. 1969)
Fight Club, American History X und Zwielicht - das sind nur einige Filme, in denen der Charakter-Schauspieler Edward Norton mitgewirkt hat. Nebenher ist er auch als Regisseur tätig.

Andrea Robbins (geb. 1963)
1963 war das Jahr, in dem die bekannte Fotografin Andrea Robbins zur Welt gekommen ist. Auch sie stammt gebürtig aus Boston.

Eli Roth (geb. 1972)
Diesem Regisseur aus Boston verdanken wir solche zart-beseiteten Meisterwerke wie Hostel. Roth ist auch als Drehbuchautor, Produzent und Schauspieler zugange.

James Spader (geb. 1960)
James Spader, gebürtiger Bostonier und Schauspieler, ist aus vielen Kinifilmen bekannt. Unter anderem spielte er in Stargate die Hauptrolle.

Donna Summer (1948-2012)

Auch die Sängerin Donna Summer stammte gebürtig aus Boston. Sie verstarb jüngst im Jahre 2012.

Uma Thurman. (ge. 1970) Wer sie nicht in Jennifer 8 gesehen hat, kennt sie spätestens aus Pulp Fiction - Uma Thurman wurde 1970 in Boston geboren und ist eine gefeierte Schauspielerin.

Donnie Wahlberg (geb. 1969)
Musik und Film - Donnie Wahlberg, gebürtiger Bostonian, hat sich als Musiker, Schauspieler und Produzent einen guten Namen gemacht.

Mark Wahlberg (geb. 1971)
Mark Wahlberg hat als Schauspieler und Produzent Bekanntheit erlangt. Er stammt gebürtig aus Boston.

Eric Zinman (geb. 1963)
Der Pianist und Komponist Eric Zinman ist ebenfalls ein Kind Bostons, wo er 1963 das Licht dieser Welt erblickt hat.

Thursday, March 12, 2015

Deutschland - Neues Gesetz: 30 Prozent Frauenquote in den Chefetagen

In Deutschland hat der Bundestag rechtzeitig zum Internationalen Frauentag am 8. März einen als historisch geltenden Schritt getan und am vergangenen Freitag mit großer Mehrheit die Frauenquote beschlossen. Ab 2016 soll in bestimmten Großunternehmen bei der Aufsichtsratswahl eine Quote von mindestens 30 Prozent gelten. Was in Deutschland jahrelang kontrovers diskutiert wurde, schafft es in den USA kaum auf die politische Tagesordnung – zu groß und zu radikal scheint der regulatorische Eingriff in die Wirtschaft. Stattdessen gibt es in den USA zum Beispiel seit letztem Jahr den „30% Club“, dem Unternehmen beitreten können, um auf freiwilliger Basis ihre „gender balance“ zu verbessern.
„Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ ist ein weiteres Dauerthema in in Deutschland, wenn es um die Gleichberechtigung geht. Das hier trotz Elterngeldreform und Ausbau von Kitaplätzen noch viel zu tun ist, zeigt die niedrige Geburtenrate von 1,38 Prozent. In den USA hingegen liegt die Geburtenrate bei 1,86 Prozent, und dies ohne staatliche Unterstützung durch  Kindergeld, längeren Mutterschaftsurlaub oder Elternzeit. 
Woran das liegt, ist schwer zu erklären: Möglicherweise erlaubt der flexiblere Arbeitsmarkt einen leichteren Wiedereinstieg nach der Babypause. Gleichzeitig ist auf Grund der fehlenden staatlichen Unterstützung für Einverdienerfamilien der finanzielle Druck für die meisten Frauen hier von jeher größer, eine lange Kinderpause für die meisten Familien schlicht unerschwinglich.   Fest steht aber auch, dass Umgang mit arbeitenden Müttern ein anderer ist. Das Wort „Rabenmutter“ und die Vorstellung dahinter, dass arbeitende Mütter ihre Kinder vernachlässigen, gibt es im Amerikanischen nicht.
Frauenrechte sind auch ein Thema der aktuellen USA-Reise der Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig. Nach einer Rede vor der UN wird sie in dieser Woche für politische Gespräche weiter nach Washington reisen. Zudem ist die Stärkung von Frauen bei Selbständigkeit und beruflicher Bildung auch eines der Themen der deutschen G7-Präsidentschaft. Wir hoffen, dass die internationale Diskussion neue Wege aufzeigt, um die Gleichberechtigung voranzubringen.
Katica Steubl

Redakteurin Deutschland-Nachrichten

Chicago -Wurde hier der Hot Dog erfunden?

Angeblich soll in Chicago der Hot Dog erfunden worden sein. Während des Ersten Weltkriegs wurde hier das Würstchen im Brötchen (noch ohne Ketchup) für das Heer der Fabrik- Hafen- und Schlachthausarbeiter angeboten. Der Hot Dog kostete lediglich fünf Cent und stopfte millionenfach die hungrigen Mäuler der Arbeiter. Heute sollen in der Stadt die besten Hot Dogs der USA angeboten werden und einige Stadtführungsunternehmen haben sich auf Hot Dog Entdeckungstouren spezialisiert.

Tuesday, March 3, 2015

Bonn - Besuchermagnet Bundeskunsthalle

Die große Halle der Bundeskunsthalle, Architekt: Prof. Gustav Peichel 
Die Bundeskunsthalle in Bonn ist eines der besucherstärksten Ausstellungshäuser Deutschlands. Bundeskunsthalle – der Name klingt fast ein bisschen zu nüchtern für das, was da seit mehr als 20 Jahren in Bonn passiert. Eigentlich ist die „Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland“ ein Museum der Superlative. Angefangen beim markanten Gebäude, das Architekt Gustav Peichl 1992 als Kubus von 96 Metern Länge bauen ließ. Gesäumt von 16 Stahlsäulen, die die deutschen BUNDESLÄNDER repräsentieren, und getoppt von einem Dachgarten mit drei weithin sichtbaren Lichtpyramiden. Auf 5600 Quadratmetern finden bis zu vier Ausstellungen gleichzeitig statt. Als Halle für Wechselausstellungen von Bund und Ländern initiiert, können dabei viele bedeutende Kulturschätze gezeigt werden.Ausstellungshäuser Deutschlands.
„Der Göttliche – Hommage an Michelangelo“, in der die Bundeskunsthalle in Bonn versucht, einigen der unzähligen, bis in unsere Zeit verlaufenden Spuren des Einflusses der Kunst Michelangelos zu folgen. 
Luftaufnahme der Kunst- und Ausstellungshalle, Architekt: Prof. Gustav Peichl (Courtesy Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland/Foto: Peter Oszvald)

Europäische Dimension
In bisher mehr als 220 Ausstellungen reichte das Spektrum von Fundstücken aus der Grabkammer des Tutanchamun über bedeutende Gemälde der italienischen Renaissance bis zu der vom Meeresboden geborgenen Raumkapsel „Liberty Bell 7“. Um eine möglichst globale Perspektive auf diese Themen zu eröffnen, nutzt das Haus unter der Intendanz von Reins Wolf ein Netzwerk aus führenden internationalen Museen. In der Ausstellungsreihe „Die Großen Sammlungen“ etwa werden Museen aus aller Welt vorgestellt, vom British Museum bis zum Nationalen Palastmuseum Taipeh. International ist auch das Publikum in einem der besucherstärksten Ausstellungshäuser Deutschlands. Von den bisher etwa 17 Millionen Besuchern kommen viele aus den Nachbarländern Belgien, den Niederlanden, Luxemburg und Frankreich. Diese europäische Dimension ist ein weiteres Merkmal der Kulturinstitution Bundeskunsthalle.
Ausstellung „Der Göttliche. Hommage an Michelangelo“ in der Bonner Bundeskunsthalle bis 25. Mai 2015 
www.bundeskunsthalle.de
© www.deutschland.de

Ausflugstipps zur Bundeskunsthalle in Bonn

Tipp 1: Der Dachgarten
Auf dem Dach befindet sich ein schön gepflegter Dachgarten, auf dem man inmitten der auffälligen kegelförmigen Lichtschächte, die dem Museum auch von weiter Entfernung ein individuelles Erscheinungsmerkmal verleihen, entspannen kann. Ab und zu finden auf dem Dachgarten auch besondere Veranstaltungen statt.
Tipp 2: Der Museumsvorplatz

Aus Paris angeliefert  ein Modell der europäischen Trägerrakete Ariane 5 den Museumsvorplatz in Bonn. Mit zwölf Metern Höhe ist sie auch im Maßstab 1:5 ein imposanter Anblick
Auf dem Museumsvorplatz finden vor allem in den Sommermonaten interessante Open Air Veranstaltungen statt, während in den Wintermonaten eine Eisbahn installiert wird.

Tipp 3: Museumsführungen und Workshops


Dienstags um 19 Uhr und sonntags um 11 Uhr werden für 3 EUR zzgl. Eintritt Museumsführungen für Einzelgäste angeboten, an die man sich gerne anschließen kann. Ansonsten kann man auch als Gruppe ab 10 Personen bis maximal 25 Personen eine einstündige Museumsführung für 65 EUR buchen. Eine Führung für 1,5 Stunden kostet 85 EUR. Schulklassen zahlen nur 28 EUR bzw. 40 EUR. Die Führungen kann man sogar online vorbestellen. Zu verschiedenen Ausstellungen werden auch separate Workshops für Kinder angeboten.